☆☆ Zweiter Bericht von Luca Spring, fünfzehnter Stipendiat der Grünwald Stiftung ☆☆

Viele Zugreisen, beeindruckende Tempelanlagen und Menschenströme in der Großstadt – so lassen sich meine letzten zwei Wochen in Japan auf die Kürze zusammenfassen. Nachdem ich mich erfolgreich in Osaka eingelebt hatte, durfte ich nun weitere Teile Japans bereisen und kennenlernen. So konnte mich ausnahmsweise verfrüht meine Familie besuchen und wir hatten das Vergnügen, gemeinsam Tokyo, Kyoto, Nara, Himeji zu erkunden. Mein herzlicher Dank gilt Herrn Okamoto für die tolle gemeinsame Planung der Reisen und die Gastfreundschaft!

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Während der vergangenen Wochen fielen mir insbesondere folgende zwei japanische Besonderheiten auf: (1) Der pünktliche und perfekt organisierte Bahnverkehr und (2) das hohe Maß an Sauberkeit in den Straßen. Meine Eindrücke der letzten Wochen möchte ich in diesem Bericht gerne anhand dieser zwei Themen erläutern.

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Organisation des Bahnverkehrs

Japan ist ein Land der Pünktlichkeit. Mit diesem Vorurteil kam ich nach Japan – und wurde nicht enttäuscht. Im Gegenteil, meine Reisen durchs Land mit dem Shinkanzen liefen so einfach, reibungslos und pünktlich ab wie ich es noch in keinem anderen Land erlebt habe. Ungläubig durfte ich jedes Mal aufs Neue erleben, wie die höflichen Zugfahrer mit weißen Handschuhen die Züge in die Bahnhöfe steuerten, exakt auf vorgesehener Höhe stehen blieben um anschließend auf die Sekunde genau weiterzufahren.

Meine Suche nach den Gründen dieser Perfektion ergab folgende zwei Vermutungen: (1) Japanische Bahnangestellte nehmen ihren Job deutlich ernster als in Deutschland und möchten unabhängig ihres Rangs vollen Einsatz leisten. (2) Dazu kommt ein gesteigertes Pünktlichkeitsempfinden, welches im Gegensatz zu Deutschland keine „akademische viertel Stunde“ duldet. Der Vollständigkeit und Ehrlichkeit zuliebe muss hier jedoch – zur Verteidigung der „Deutschen Bahn“ – auf die infrastrukturellen Unterschiede zwischen den Streckennetzen Deutschlands und Japans aufmerksam gemacht werden. Anders als bei deutschen ICEs, haben die Shinkanzen Schnellzüge ein eigenes Schienennetzwerk, welches häufig auf erhöhten Viadukten gebaut ist und dadurch äußerst selten Störungen ausgesetzt ist. Abgesehen von den schnellen Skinkanzen-Zügen, ist auch der Nahverkehr ein Wunder der Organisation. Um den Massen an Reisenden gerecht zu werden, gibt es in manchen Bahnhöfen Angestellte, die während Stoßzeiten die andrängenden Reisenden in die Züge drücken, eine japanisch pragmatische Lösung. Ein weiterer Unterschied zum deutschen Nahverkehr sind so genannte „Frauen-Waggons“, die Frauen bei unangenehmer Enge in Zügen vor möglichen Belästigungen als Schutz zur Verfügung stehen.

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