☆☆ Zweiter Bericht von Julian Maier, vierzehnter Stipendiat der Grünwald Stiftung ☆☆

Sunday, der 14. May 2017 | Autor: GRUENWALD | Kategorie(n): Blog

Kaum zu glauben, aber die Zeit in Japan vergeht rasend schnell. Mittlerweile bin ich schon einen Monat hier und habe doch erst einen Bruchteil der Kansai Region erkunden können. Ich glaube, dass man allein einen Monat brauchen würde, um in Kyoto alle Tempel und Schreine zu sehen. In den letzten Tagen und Wochen besichtigte ich in Kyoto den Kaiserpalast, der lange Zeit als Sitz der kaiserlichen Familie diente. Heutzutage residiert die Kaiserfamilie in Tokio und der Palast in Kyoto ist für die Öffentlichkeit zugänglich. Ursprünglich standen auf dem Gelände des Kaiserpalastes wesentlich mehr Gebäude. Die „unwichtigen“ Gebäude wurden jedoch abgebaut, damit im Falle, dass ein Feuer ausbricht, die bedeutenden Gebäude nicht zerstört werden. In einer Führung durch den Kaiserpalast erfuhr ich noch allerlei interessante Informationen zum Kaiserpalast. Zum Beispiel ist das Ende der Holzbalken mit einer weißen Farbe, welche aus Muscheln hergestellt wird, angestrichen, damit die Balken nicht so schnell verschleißen. Der Palast ist zudem erdbebensicher gebaut, ohne ein Fundament oder ähnliches, und schwingt auf diese Weise im Falle eines Erdbebens einfach mit. Auch interessant ist, dass die Mauer um den Kaiserpalast im Nordosten eine L-förmige Einbuchtung besitzt. Oft werden Oni (Dämonen) mit dem Nordosten assoziiert, weshalb japanische Gebäude L-förmige Einbuchtungen im Nordosten besitzen oder Tempel im Nordosten errichtet werden, welche die Gebäude vor den Oni beschützen sollen.

Kaiserpalast

An einem anderen Tag besichtigte ich Kobe, eine Stadt die westlich von Osaka an der Osaka Bucht liegt. Von Osaka aus fährt man mit dem Zug in ca. 30 min in das 35 km entfernte Kobe. Dort führte mich Frau Ikawa, eine Freundin von Herrn Okamoto, persönlich durch die Stadt. Kobe ist eine der größten Hafenstädte Japans und Warenumschlagplatz für viele ausländische Güter. Hier findet man eine vielfältige Küche, unter anderem auch Bäckereien mit deutschem Brot. Aufgrund der Lage von Kobe (im Norden das Rokko Gebirge und im Süden das Meer) wurden die künstlichen Inseln Rokko Island, Port Island und der Kobe Flughafen vor der Stadt aufgeschüttet, um in der Stadt selbst genügend Wohnraum zu haben. Im Norden der Stadt hatten sich viele Ausländer angesiedelt. Dort befinden sich viele schöne Villen im europäischen Stil, diese sind heute für die Öffentlichkeit zugänglich. Persönlich gefällt mir Kobe sehr gut, auch weil es ein wenig ruhiger auf den Straßen ist.

Kobe1

Nara war das nächste Ziel meiner Reise. Berühmt für die vielen alten und gut erhaltenen Tempel hatte ich jedoch das Gefühl, dass die in der Stadt frei herumlaufenden Rehe den Tempeln die Show stehlen. Nara ist genau wie Kyoto ein beliebtes Ausflugsziel für Schulklassen. Als ich in Nara ankam, war die Stadt voller Touristen und schätzungsweise acht- bis zehnjährigen Schulkindern, die natürlich alle gerne die Rehe streicheln und füttern wollten. Zum Füttern kann man extra am Straßenrand überall Kekse für umgerechnet 1€ kaufen. Der Tempel Todai-ji ist das größte aus Holz gebaute Gebäude der Welt und beherbergt eine riesige Buddha Statue aus Bronze. Der Kasuga-Taisha Schrein liegt auf der anderen Seite des Nara Parks und bezaubert vor allem durch seine vielen Laternen, die den Weg zum Schrein säumen. Des Öfteren stehen oder liegen Rehe zwischen den moosbewachsenen Laternen, ein wirklich zauberhafter Anblick!

Nara1

Neben meinen Reisen in die verschiedenen Städte durfte ich Herr Okamoto bei einem Ausflug des Rotary Clubs nach Amanohashidate, zur „Himmelsbrücke“, begleiten. Früh morgens startete der Bus in Richtung des im Norden der Präfektur Kyoto gelegenen Ortes. Zuerst legten wir einen Stopp in einem alten Fischerdorf ein, in dem wir die alten Fischerhäuser bestaunen konnten, bevor wir eine kleine Bootstour machten. Die Bootstour ist bekannt dafür, dass man Möwen füttern kann, aber wir hatten sogar das Glück, dass Adler angelockt wurden und uns das Futter aus den Händen pickten. Zu Mittag aßen wir auf einem kleinen Hügel hervorragendes Sashimi und manch einer ging noch in das Onsen des Restaurants, bevor wir weiter Richtung Amanohashidate fuhren. Das Wetter hätte besser nicht sein können, deshalb hatten wir einen hervorragenden Blick auf die „Himmelsbrücke“ vom Kasamatsu-Park aus. Die Himmelsbrücke ist in Wirklichkeit ein ca. 3,6 km langer, natürlich entstandener weißer Sandstrand, der mit Kiefern bewachsen ist. Um die Himmelsbrücke zu sehen, muss man sich mit dem Rücken zu ihr aufstellen und durch die Beine schauen, sodass die Welt auf dem Kopf steht, nur so bekommt das Auge die Illusion einer Brücke, die über den Himmel führt, vorgespielt. Diese Küstenlandschaft gilt als eine der drei schönsten Küstenregionen Japans, und wer bereits dort war, kann das bestimmt bestätigen.

Amanohashidate



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