☆☆☆ Fünfter Bericht von Mona Meiller, siebzehnte Stipendiatin der Grünwaldstiftung ☆☆☆

Der erste Monat des Stipendiums ist dafür da sich einzugewöhnen, die Umgebung zu erkunden und sich langsam in die japanische Kultur einzufühlen. Im zweiten Monat wird der Schwerpunkt auf das Erlernen der Sprache gesetzt und schließlich ende des dritten Monats beginnt das Reisen durch Japan. Mithilfe des Schnellzugs „Shinkansen“ , der bis zu 320 km/h fährt, ist es möglich innerhalb von zweieinhalb Stunden von Osaka nach Tokio zu fahren.

グリーンワルト財団の奨学生としての最初の1ヶ月は、日本での生活に慣れ、滞在先のこの地域を知り日本文化にゆっくりと馴染んでいくためにあります。また2ヶ月目は、言語習得に重きが置かれるようになり、そして3ヶ月目の最後には日本中への旅が始まります。最高時速320kmを誇る新幹線のおかげで、大阪→東京間はわずか2時間半での移動が可能です。

Angekommen in Tokyo wirkte alles erstmal gar nicht so stressig und überfüllt wie ich es mir vorstellte, – vielleicht lag das aber auch daran, dass ich mich in den letzten drei Monaten schon an Osaka gewohnt hatte. Nach dem ersten Tag merkt man dann aber doch schlagartig wie groß, und ungreifbar die Stadt ist. Überall ragen unendlich hohe Wolkenkratzer aus dem Boden, die einem vor Augen halten, wie klein man selbst ist. Tokyo muss man selbst sehen und fühlen,- lange Beschreibungen können meiner Meinung nach nur schwer einen authentischen Eindruck vermitteln.

東京に到着して始めのうちは、想像していたほどにはそう緊張もしませんでしたが、それは私がそれまでの3ヶ月間大阪にいて日本の滞在に既に慣れていたことも関係している様に思いました。しかし東京滞在1日目を終えると、非常に大きなこの都市故に、その全貌が掴めないと感じ始めました。至るところに超高層ビルが立ち並んでおり、自分自身がどれだけ小さな存在であるかを感じさせます。東京は実際に自分がその地に赴き、どう感じるかを体験するに尽きる場所ではないかと思います。というのも、私の感想を長々と書いたところで、その印象を確実にお伝えすることはとても難しくするばかりだと思うからです。

Eine Sache die mich schon seit meiner Kindheit fasziniert, ist die Kunst des Sumoringens. Umso enttäuschter war ich als ich herausfand, dass die nächsten Turniere erst nach meiner Abreise stattfanden. Glücklicherweise fand ich übers Internet Karten für ein privates Sumo Training in einem „Sumostall“ in Tokyo. Die Regeln des Sumos sind extrem einfach. Der Kampf ist sofort vorbei, wenn einer der beiden Kämpfer den Boden außerhalb des 5m großen Kreises betritt oder den Boden mit einem anderen Körperteil als dem Fuß berührt. Teilweise wurden die Kämpfer bei Ihren blitzschnellen Angriffen sogar richtig biestig,-da schien es auch ganz normal, dass ein Sumōtori plötzlich im Gesicht blutete. Niemanden außer uns rund 40 Zuschauer schien das zu überraschen.

私が幼少期から魅了されてきたことの一つに、相撲の世界があります。実は次の相撲シーズンは私がドイツに帰った以降にしかスタートしないという事実を知って、とてもショックを受けていました。けれども幸運にも、インターネット上でとある東京の相撲部屋で個人的に稽古を見せてもらえるチケットを見つけたのです。相撲のルールというのは、至って簡単です。戦う2人のうちの片方が、直径約5メートルの土俵 の枠外の床についてしまったら、もしくは足以外の身体のどこかが床に触れてしまった時点で、試合はすぐに終了となります。相撲の試合というのは、時に一瞬の攻撃によってとても酷く嫌なものになることもあります。よくあることの様でしたけれども、突然に顔から流血してしまった相撲取りの方もおられました。およそ40人もの私たち見学者の誰もが、驚かずにはおれないといった表情をしていました。

Als das Training nach zwei Stunden vorbei war, erschreckte ich mich tierisch als plötzlich einer der bis zu über 150kg Sumōtori vor mir stand um sich mir mir zu unterhalten, ähnlich klein wie neben den unzähligen Wolkenkratzern Tokyos fühlte ich mich. Ich empfehle jedem sich das einmal anzuschauen und sich selbst einen Eindruck vom traditionellen Japanischen Kampfsport zu machen. (Übrigens gibt es vereinzelt auch weibliche Sumōtori!)

2時間の相撲の稽古見学が終わると、150kgを超える相撲取りの方が突如私に話しかけるために隣に立っていたので、とても驚きました。東京の超高層ビルの中に立っていた小さな自分の様にも感じました。皆様にも是非一度、こうした伝統的な日本の武道を見に足を運ばれて、それぞれに印象をお持ちになる機会を得られることをお勧めしたいと思います。(そういえば、まれにですが女性の相撲取りの方もいらっしゃる様です!)

Das nächste Reiseziel war weniger ein Vergnügen, aber meiner Meinung nach ein muss wenn man mal in Japan ist.

次の目的地は、楽しみという観点では少なくなりますが、でも私は日本に来たからには一度は訪れなくてはならない場所だと思っています。

Genannt „Little Boy“ wurde 1945 die Atombombe über der Stadt Hiroshima und kurze Zeit später eine weitere über Nagasaki abgeworfen. 100.000 Menschen starben sofort – fast ausschließlich Zivilisten. Bis Ende 1945 weitere 130.000 Menschen an den Folgeschäden. Angekommen im komplett neu aufgebauten Horoshima , erinnert einen, außer das Friedensdenkmal und das Friedensmuseum Hiroshima, nichts mehr an den Bombenabwurf 1945.
 
”リトルボーイ”と名付けられた原子爆弾は、1945年広島に、それからそのすぐ後には長崎に投下されました。10万人もの人々がそれによって即座に命を奪われました。命を落としたそのほとんどが、軍人ではなく一般の市民でした。1945年の終わりには、13万人にまでその被害が広がりました。完全に新しく復興された広島という街に到着した中で、原爆記念碑と広島平和記念資料館だけが、1945年の原爆投下を思い起こさせます。

Das Friedensmuseum Hiroshima verlässt man wütend, voller Zweifel am gesunden Menschenverstand aber auch dankbar für die eigene Gesundheit und Sicherheit. Erst der Besuch der sehr nahe gelegenen Insel Miyajima konnte die Fassungslosigkeit über den vollkommenen Irrsinn des Krieges einigermaßen lindern.

広島平和記念資料館では、怒ることや良識について疑念を抱くことすら分からなくなるほどですが、同時に自身の健康と安全性に感謝の意を感じずにはいられなくもなります。そのすぐ近くに位置する宮島に着いて始めて私は、戦争のむごい狂気に触れたことで取り乱した心を、少しばかり鎮めることが出来ました。

Dass heute nach wie vor Atomwaffen existieren, die Menschheit anscheinend rein gar nichts dazugelernt hat, ist nach einem Besuch im Friedensmuseum Hiroshima unverständlich , beschämend und vor allem eines: traurig.

今日なお原子爆弾が存在することは、我々人類は全く何も学んでいないのではないかと思えてしまいます、広島の平和祈念資料館を訪れた後で、どうしていいのか分からず恥じ入る気持ちに苛まれ、そしてただただ”悲しい”の一言に尽きます。

☆☆☆Vierter Bericht von Mona Meiller, siebzehnte Stipendiatin der Grünwald Stiftung☆☆☆

Das „Aoi Matsuri Fest“ ist eines der drei bedeutendsten Feste Kyotos. Jedes Jahr am 15. Mai findet es in der ehemaligen Hauptstadt Japans statt. Zusammen mit einigen Germanistik Studenten der „Kyoto Prefecture Universität“ und Herrn Professor Aoji besuchte ich den riesigen Festumzug. Das Hauptspektakel ist eine von riesigen Ochsenkarren begleitete Morgenprozession. In traditioneller Kleidung aus der Zeitepoche der Heian-Zeit, werden diese Karren von Pferden und rund 500 Parade Mitgliedern begleitet. Ein weiteres Highlight war die sogenannte „Saio-Dai-Königin“.  Ihre Aufgabe ist die Schreingottheiten anzubeten; dabei trägt sie ein zwölflagiges, extrem wertvolles Seidengewand.

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Solche Umzüge in Deutschland kennt man ja eigentlich immer lautstark durch Musikkapellen und Trommeln etc. begleitet. Es erstaunte mich sehr, dass der gesamte Umzug im Stillen stattfand. Keine laute Musik,  kein „Halligalli“ so wie ich es eigentlich erwartet hatte. Vielleicht liegt es daran, dass das Aoi Matsuri Fest zu den drei heiligsten Festen Kyotos zählt.

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Meiner Meinung nach macht ein Aufenthalt in Japan sensibler, bedachter und insbesondere eigenständiger. Fast täglich ist man gezwungen sich aus seiner Komfortzone herauszubegeben. Nach der Zeit wächst dadurch insbesondere auch das Selbstbewusstsein. So beschloss ich spontan nach Koyasan zu fahren. Koyasan wird auch „das geheimnisvolle Dorf der Mönche“ genannt. Mitten auf dem Berg Kōya ist das Gebiet mit Hilfe einer Seilbahn zu erreichen. Diese wirkt schon fast spielzeugartig in mitten der riesigen Berge. Lange Zeit war dieser Ort für Touristen unzugänglich und durch die lange und eher komplizierte Anreise, -ich hatte mich natürlich zwei mal verfahren-, ist dieses Dorf der Mönche nicht ansatzweise so touristisch wie z.B. Nara.

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In Kōyasan liegt der Okunoin, ein Wald aus tausend Grabsteinen, er zählt zu den wohl heiligsten und berühmtesten Orten Japans. Mir wurde geraten den Friedhof bei Nacht zu besuchen, denn der Weg sei mit unzähligen Laternen ausgeleuchtet, die alles in ein mystisches Licht tauchen.

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Ich hatte das Glück komplett alleine, ohne jegliche Touristengruppen, den Pfad zwischen den Grabsteinen entlang zu gehen. Unendlich viele Legenden spinnen sich um diese Gegend. Als der oberste Priester und Repräsentant des esoterischen Buddhismus gilt „Kôbô Daishi“.  Er ist der Gründer des Dorfes. Die Legende sagt, dass sein Geist nach wie vor zwischen den Grabdenkmälern des Waldes lebt und er dort in endloser Mediation verweilt. Das machte meinen nächtlichen Ausflug natürlich noch spannender.

Zu dieser mysteriösen Aura des Bergs Kōya trägt die alles einnehmende und vor allem ansteckende Ruhe bei. Einmal, als ich einen Werter nach dem Weg fragte, bemerkte ich, dass ich unbewusst geflüstert hatte. Ich empfehle jedem einen Ausflug in das Mönchsdorf Koyasan! Schon die Erfahrung in einem echten Tempel zu schlafen und früh morgens bei der buddhistischen Morgenzermemonie teilzunehmen, ist eine einzigartige Möglichkeit.

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☆☆☆Dritter Bericht von Mona Meiller, siebzehnte Stipendiatin der Grünwald Stiftung☆☆☆

Bevor ich nach Japan kam, sagten mir viele Leute, dass die Zeit wie im Flug vergehen würde. Jetzt merke ich das mehr denn je. Nach zwei Monaten hat sich mein Bild über Japan extrem gewandelt. Nie hätte ich gedacht, dass ich so viele verschiedene, tolle Leute kennenlernen würde.

日本に来る前、多くの人から、日本での時間はあっという間に時間が過ぎ去るよと言われていましたが、今それをひしひしと実感している所です。日本滞在も2ヶ月が過ぎ、私の日本に対するイメージは大きく変化しました。私は、こんなにも多種多様な素晴らしい方々とお会い出来るとは想像もしていませんでした。

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Herr Okamoto hatte mich während der „Golden Week“ in ein RYLA Seminar, außerhalb Osakas eingeschrieben. RYLA steht für „Rotary Youth Leadership Awards“. Das sind meistens Veranstaltungen, Tagesseminare oder Wochenendtagungen bei denen eine Vielzahl von Ausflügen, Gruppenarbeiten, Wanderungen etc. unternommen werden. Fokussieren soll man sich hierbei auf Teamarbeit und insbesondere die eigene, persönliche Weiterentwicklung.Als erste Stipendiatin die im Zuge der Grünwaldstiftung an einem solchen Seminar teilnehmen sollte war ich quasi das „Versuchskaninchen“. :)

岡本理事長は、ゴールデンウィーク期間、私のために大阪郊外で行われたRYLAセミナーに申し込みして下さいました。RYLAというのは、ロータリー青少年指導者養成プログラムで、たくさんの日帰り旅行、グループ活動や山登り等が企画され、様々な行事や講義、週末会議が行われます。ここではチームワーク、そして同時に個々の成長が求められます。

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Bei der Ankunft wurden alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer in traditionelle, mit Tatami-Matten ausgestattete Zimmer eingeteilt. Ich war mit einer Gruppe junger Frauen im Zimmer und obwohl die meisten kein Englisch sprachen, verstanden wir uns auf Anhieb recht gut.

グリーンワルト財団の奨学生として、試験的に初めて私はこうしたセミナーに参加しました。現地に到着すると、伝統的な行事らしく参加者全員が和室へと割り振られました。私は若い女性のグループの一員となり、ほとんどのメンバーが英語を話せなかったのですが、すぐに打ち解けることが出来ました。

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Das Hotel in dem wir rund 200 TeilnehmerInnen zwischen 16-30 Jahren untergebracht waren, bot neben sehr gutem Essen auch eine hauseigene „heiße Quelle“ an. Am Abend sagten mir meine Zimmerkolleginnen, dass sie nun den Onsen besuchen würden und ob ich denn Lust hätte, mitzukommen. Natürlich willigte ich sofort ein, – so eine Gelegenheit gibt es schließlich nicht oft.

16〜30歳の総勢約200人の参加者が滞在したホテルでは、美味しいお料理に加え、このホテルの温泉が提供されました。夜には同部屋の女の子達に、今から温泉に行くけど、もし良かったら一緒に行く?と聞かれて、私はもちろん二つ返事で同意しました。こんな機会は、よく考えてみたらなかなかないのではないかと思いました。
Meine tollpatschigen und eher hilflos wirkenden Versuche, mich so wenig laienhaft wie möglich in dem mir komplett fremden Onsen zu verhalten, amüsierte meine Kolleginnen sehr und mir blieb schlussendlich auch nichts anderes übrig, als das Ganze einfach mit Humor zu nehmen. Geduldig und mit viel Fürsorge erklärten mir die Mädchen sämtliche Abläufe. Es gab nämlich dann doch recht viel zu beachten, z.B. gibt es eine bestimmte Technik sich den Turban zu binden.

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私にとって温泉は、本当に全く馴染みのないものですから、初めのうちは何をどう振舞えば良いのか分からず手探り状態でしたが、そんな私の様子を同部屋の女の子達はとっても楽しんで、最後には笑わざるを得ませんでした。その後、彼女たちは私に、とても詳しく温泉の入り方等を詳しく説明してくれました。例えばターバンの様に頭にタオルを巻く等、実に多くの注目すべきテクニックがありました。

Das erste Mal mit so vielen, verschiedenen Frauen einen echten Onsen zu besuchen war ein wirklich wundervolles Erlebnis und obwohl wir alle aus verschiedenen Orten der Welt kamen, (Japan,Frankreich,Korea,Malaysia,China, USA etc..) waren wir in diesen Räumlichkeiten dann doch alle einfach irgendwie gleich.
Es erinnerte mich daran, wie wichtig es ist, dass wir Frauen zusammen halten und uns unterstützen. Ganz egal wo auf der Welt.

この初めてたくさんの女の子達との温泉に入ることは、本当に素晴らしい体験でした。日本・フランス・韓国・マレーシア・中国・アメリカ等、私たちは世界各国からやってきたメンバーだった訳ですが、この温泉という空間の中では、どこか同一感を感じられました。世界中のどこであるかということに関係なく、私たち女性が結束し、互いに助け合うことの大切さを感じました。

In der darauffolgenden Woche besuchte ich das erste Mal die Hafenstadt Kobe. Dort traf ich  Nobuko und Naoya Ikawa. Einmal im Monat bereitet das Ehepaar zusammen mit ihrer Kirchengemeinde eine warme Mahlzeit für Bedürftige zu. In diesem Monat durfte ich helfen. Mit acht anderen Freiwilligen bereiteten wir das chinesische Gericht „Chuka Donburgi“ vor. Insgesamt 120 Leute, inklusive uns selbst, wurden davon satt.

その翌週には、港町である神戸へ初めて訪れました。まずここで、井川信子さんとご主人様にお会いしました。井川ご夫妻は、月に一度所属先の教会で、身寄りのない方々のために料理を作られています。今月は私もお手伝いさせて頂くことが出来ました。その他8人の有志と共に、中国の料理である”中華どんぶり”を用意しました。私たち自身も含め、120人もの人々がお腹いっぱいになりました。

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Kurz darauf halfen alle zusammen das Geschirr abzutrocknen, zu spülen und zu sortieren. Einzelne der Bedürftigen kamen auf mich zu um sich bei mir fürs Abwaschen zu bedanken, manche halfen selbst beim Putzen oder sammelten benütztes Geschirr ein,- jeder wechselte mal seinen „Arbeitsposten“. Wir halfen alle zusammen, daher war das Ganze dann nach knapp 45 Minuten vorbei. Wenn man sich also nur ein bisschen seiner Zeit nimmt, ist es ganz einfach etwas Gutes zu tun und wenn wir ehrlich sind, hat jeder von uns diese paar Stunden übrig. :)

その後すぐにお皿を洗って、拭いて、直すことを皆で手伝いました。身寄りのない方々が個々に私のところへ来られて、皿洗いについてのお礼を言われたり、掃除や使ったお皿を下げることを手伝ったりと、それぞれが自分の役割を交代しながらうまく回して片付けをしました。それぞれが助け合ったので、全部で45分でしかかかりませんでした。少し自分の時間を提供することで、物事を良く進めることが容易になりますし、こうした数時間って実は誰でも残っていて作ることが出来るのではないかと思いました。

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Am Nachmittag zeigte mir Frau und Herr Ikawa den berühmten „Mount Rokko“ und das dahinter liegende Bergdorf „Arima Onsen“, eines der ältesten Badeorte Japans. Im Gegensatz zu den meisten anderen Orten die ich besuchte, war es hier wenig touristisch. Das gab dem Ausflug eine sehr ruhige und angenehme Stimmung. Diese Atmosphäre war daher etwas ganz neues für mich. Ich bedanke mich nochmals herzlich bei Familie Ikawa für diesen tollen Tag!

この日の午後には井川御夫妻が、有名な六甲山と、その裏側にある日本最古の温泉地の一つである山村地区の有馬温泉を案内して下さいました。私がこれまで訪れてきた観光地とは対照的に、ここにはあまり観光客はいませんでした。とても静かで居心地の良い趣のある場所でした。こうした雰囲気は、むしろ私にとって新鮮でした。井川御夫妻に、この素晴らしい一日を過ごさせて頂けたこと、改めて心より感謝申し上げます。

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Am selben Abend waren Herr Okamoto, ich und ungefähr 40 weitere Leute zu einem erstklassigen Abendessen mit ausgewählter Weinbegleitung eingeladen. Es war irgendwie komisch. Einige Stunden zuvor stand ich noch in meiner Schürze unter dem Kochzelt und löffelte meinen Reis und nun saß ich vor meinem ausgezeichneten vier Gänge Menü. Ich hatte einen wundervollen und lustigen Abend, dennoch dachte ich ab und zu an das gemeinsame Mittagessen unter dem Zelt zurück,- das war zwar was komplett anderes, aber mindestens genauso schön !

この日の夜には、岡本理事長と共に、約40人の方々とファーストクラスの様なお食事と選び抜かれたワインを楽しむ会にご招待いただきました。どこか不思議な感じがしました。数時間前には、私はエプロンをして料理し、ご飯をスプーンですくって食べていました。そして、このワイン会ではとびきり上等な4つのコース料理を前に座っている自分がいます。この夜は素晴らしく楽しいひと時でした、そして時折お昼ご飯の時間にも思いを馳せていました、確かに全く違うものではありましたが、どちらも素晴らしいひと時でした。

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☆☆☆ Zweiter Bericht von Mona Meiller, siebzehnte Stipendiatin der Grünwald Stiftung ☆☆☆

Mitte April organisierte Herr Okamoto einen drei tägigen Ausflug nach Toyama, dort besuchten wir neben einigen Sehenswürdigkeiten auch seine Schwiegereltern, welche in einem original japanischen Haus leben. Die Eltern von Frau Okamoto sind zwar schon über 90 Jahre alt, wirken aber extrem fit und klar. Sie erzählten uns über ihre Zeit im Krieg und ihre Erfahrungen,- so etwas zu hören rührt einen sehr, auch wenn ich auf Grund der Sprachbarriere kein aktives, direktes Gespräch führen konnte.

4月上旬、岡本理事長は3日間の富山旅行を計画して下さいました。ここで私達は観光地を巡り、また伝統的な日本家屋にお住まいの岡本理事長の義両親を訪れました。岡本理事長の奥様のご両親は、90歳を越えていらっしゃるのですが、信じられないほどにお元気でいらっしゃいます。私達は、戦時中のお話しや様々な経験談を聞かせて頂きました。私は言語的な壁があり、直接日本語で、という訳にはいきませんでしたけれども、お話しを伺えてとても心動かされました。

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Auf dem Hinweg besuchten wir das „Shirakawa Dorf“, welches zu einem der UNESCO Weltkulturerben zählt. Die Besonderheit der Häuser ist die Form der strohgedeckten Dächer, welche an betende Hände erinnern sollen. Da in jener Region im Winter bis zu vier Meter Schnee fallen können, sind die Häuser extrem stabil und in ihrer Bauart einzigartig. Durch das Betreten der original erhaltenen Häuser, konnte man sich den traditionellen japanischen Alltag von früher gut vorstellen.

富山旅行では、ユネスコの世界遺産にも登録されている白川郷へも赴きました。ここの家屋の特徴は、祈る時(合掌)の手の様な形をしたわらぶき屋根です。ここでは冬になると、4メートルも積もることもあるそうですので、非常にしっかりした住居であり、建築法が大変優れていると思います。オリジナルそのままの建物内へもお邪魔することができ、かつての日本の伝統的な日常生活を想像することが出来ました。

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Am Abend gingen wir dann „Shabu Shabu“ essen,- ein traditionelles japanisches Feuertopf-Gericht. Mich begeisterte nicht nur das tolle Fleisch, welches man zusammen mit verschiedenen Gemüsesorten in eine Art Fondue Topf hält, sondern auch die Art und Weise der „Präsentation“. Ja, man muss es Präsentation nennen, denn jedes Mal wenn die kimonotragende Bedienung unseren Raum betrat oder verließ, kniete sie sich in vollkommener Ruhe und Konzentration nieder und verbeugte sich. Das beeindruckte und irritierte mich irgendwie zu gleich. So etwas gibt es bei uns in Deutschland nun wirklich nicht. Darauf erklärte mir Herr Okamoto, dass das Verbeugen und Niederknien ein Zeichen des Respekts gegenüber den Gästen, sowie der Speisen sei. Auch die Eingangstür unseres Esszimmers sei extra sehr niedrig gebaut, damit den Eintretenden nichts anderes übrig bleibt, als sich zu bücken.

夜には、日本の鍋料理・しゃぶしゃぶレストランへ参りました。様々な野菜の種類を、フォンデュ鍋の仕様で頂く最高級のお肉のみならず、その”プレゼンテーション”の方法に大変感銘を受けました。そうなんです、私は”プレゼンテーション”と名付けずにはいられませんでした。着物姿の仲居さんが私達の部屋を出入る際には、完全なる静寂の中で集中して跪ずきお辞儀をされるのです。私はとても感心し、又どこか刺激された様にも感じました。ドイツにはこうしたお店は間違いなくないと思います。岡本理事長は、こうしたお辞儀をしたり正座の姿勢をすることは、お料理に対して、またもちろんお客様に対しての敬意を表している仕草であることを説明して下さいました。また私達のお食事を頂いたお部屋の入り口はあえて低く設えてありました、こうすることで出入りする際に、かがまずにはいられない様になっているそうです。

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Generell scheint mir, dass „egoistisch sein“ eine extrem geächtete und somit stark vermiedene mögliche Charaktereigenschaft in Japan ist. Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern, wird hier sogar im Straßenverkehr extreme Rücksicht aufeinander genommen. Ich glaube ich habe in meiner Gegend noch nie ein hupendes Auto gehört. ;)

一般的に日本では、”エゴイストであること”は、非常に注視され又可能な限り避ける様になっているのだと思います。多くの他国と比べて、ここでは道路上でさえも他者への配慮が行き届いています。私の周りでは、まだ車のクラクションの音も聞いたことがありません!

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Jedoch fällt mir immer öfter auf, dass die meisten Japaner sehr schlechtes bzw. gar kein Englisch sprechen. Ich frage mich natürlich, wie das sein kann, schließlich ist das Schulsystem hier recht strikt und disziplinfordernd. Mir wurde erklärt, dass in den Schulen zwar Englisch unterrichtet wird, der Fokus aber fast nur auf das Geschriebene gelegt ist. Wirkliche Aussprache- und Konversationsübungen, kommen viel zu kurz. Vor allem an verbalen Übungsmöglichkeiten würde es mangeln. Ich finde das extrem bedauernswert, denn was bringt es einem, englische Literatur zu kennen, aber keine Unterhaltung führen zu können?

しかしながら、多くの日本人は英語がとても下手、又は全く話せない人が多いことが気になります。日本の教育システムはかなり厳しくしつけもされているのに、どういうことなのだろうと不思議でなりませんでした。そしたら、日本では英語は読み書きに焦点を当てて教育されているということを伺いました。実践的な発音や会話の練習時間は短すぎて、実際に口頭で練習できる機会というのが不足している様です。私は、英語の文献が読めるのに、英語で会話ができないという事実が何をもたらすのかと、大変気の毒でなりません。
Nach vier Wochen in Japan habe ich mich also recht gut eingelebt. Im örtlichen Fitnessstudio, dessen Mitglieder zu meinem Erstaunen aus gefühlt  60% Senioren besteht, werde ich sogar schon mit meinem Vornamen begrüßt. Letzte Woche zum Beispiel kam ein älterer Herr auf mich zu und schenkte mir, nachdem er mich auf meiner Fitnessmatte grüßte, ein kleines Caramel Bonbon. Natürlich dachte ich in dieser Situation nun wirklich nicht an Süßigkeiten, aber das spielte keine Rolle, denn der Mann wollte mir einfach eine Freude bereiten,- und das hatte er.

日本での4週間を経て、私はここでの生活に良く慣れてきた様に感じています。地域のフィットネススタジオでは、驚いたことに、60%の会員がご老人の方々で、名前を呼ばれ歓迎されました。例えば先週には、年配の男性の方が私の所に近づいて来られ、私のマットに乗って挨拶された後に、キャラメル飴を下さいました。もちろん私はこのタイミングでお菓子が登場するなんて思いもよらなかったのですが、この御高齢の男性は私を喜ばせようとしようとして下さり、それは実際にそうなりました。

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Im Nachhinein habe ich herausgefunden, dass solch kleine Gesten recht typisch sind für die ältere Generation Osakas. Auch hier zeigte sich mir wieder wie fürsorglich, hilfsbereit und interessiert die Menschen sind.

後になって知ったのですが、こうした飴をあげる事は、大阪の年配の方の特徴的な行為だそうです。ここでまた私は、思いやりのある、親切で、感心を抱いている人々と知り合うことができています。

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Obwohl die meisten Leute im Fitnessstudio schon weit über 60 Jahre alt sind, trainieren sie alle regelmäßig und nehmen an Tanz-, Aerobic-, power Joga- und sogar Krafttrainigskursen teil.  Parallel dazu im Nebenraum, üben die Kleinsten schon an ihren ersten Karatehieben

Ich bin begeistert von dieser außergewöhnlichen Motivation und finde, da können wir Deutschen uns eine Scheibe abschneiden!

このスポーツジムでは、多くの方が60歳以上であるにも関わらず、皆さん定期的に通われ、ダンスやエアロビ、パワーヨガ、それどころかダンベル等の重量トレーニング等のクラスも受講されています。そしてその横の部屋では、小さな子ども達が、空手クラスを始めています。私はこうした素晴らしいモチベーションにとても感銘を受け、私たちドイツ人もお手本にしてこうした姿勢を見習えたらいいな、と思いました。

☆☆☆ Erster Bericht von Mona Meiller, siebzehnte Stipendiatin der Grünwald Stiftung ☆☆☆

Am 18. März landete ich nach 10 Stunden Flug endlich in Japan. Zugegebenermaßen war ich sehr erschöpft von der langen Reise, denn die Aufregung ließ mich im Flugzeug kaum schlafen. Herr Okamoto und Frau Okamoto empfingen mich sehr warmherzig und voller Geduld. Noch am selben Abend meiner Ankunft, zeigte mir Herr Okamoto die Umgebung der Stadt Suita, welche mich sehr beeindruckte. Die Wohnung in der ich die nächsten drei Monate leben darf, ist äußerst hell und freundlich eingerichtet. Hinzu kommt der Whirlpool und die Sauna welche mir während meines Aufenthalts im „Mädelhaus“ zur Verfügung stehen.

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Die erste Woche galt hauptsächlich zur Orientierung, zum Ankommen und zum Kennenlernen der Grünwald Stiftung. Obwohl Herr Okamoto ein äußerst beschäftigter Mann ist, nahm er sich fast einen kompletten Vormittag Zeit um mir sowohl die Grundidee der Grünwald Stiftung als auch seine eigene Lebensphilosophie näher zu bringen.

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Er erklärte mir, dass es ihm nicht um sich selbst und um seinen eigenen Profit ginge. Sein Ziel ist einen Beitrag zur heutigen Gesellschaft zu leisten,- also Werte, Ideen, Meinungen, aber auch  Herangehensweisen an Probleme auszutauschen.

Obwohl Japan zu den wohl traditionsreichsten und angesehensten Ländern Asiens zählt, wird es oft mit anderen asiatischen Ländern gleichgesetzt und mit diesen in „einen Topf geworfen“. Daher gilt es kulturelle und historische Vorurteile, welche auf der europäischen als auch auf der asiatischen Seite herrschen, aufzulösen.

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Die zweite Woche war von Herrn Okamoto sehr straff durchgeplant. Neben einem Treffen mit dem Stadtrat und dem Bürgermeister von Suita, hatte ich die Ehre den Generalkonsul Dr. Werner Koehler kennenzulernen. Das Umeda Sky Building, in welchem sich das Generalkonsulat der Bundesrepublik Deutschland befindet, ist mit seinen 40 Stockwerken eines der höchsten Gebäude in Umeda und bietet einen weit in das Umland reichenden Panorama-Blick. Das Umeda Sky Building ist wohl das höchste und beeindruckendste Gebäude in dem ich je war.

総領事館   吹田市長

Mein erster großer Ausflug alleine ging nach Nara, eine Stadt ungefähr eine Stunde entfernt von Suita. Nara ist bekannt für atemberaubende Wanderwege, Parks und Tempelanlagen. Ich entschied mich für einen Ausflug auf den Wakakusa-yama Berg, in dessen Umgebung unzählige Sikarehe leben. Diese sind so ruhig und menschenvertraut, dass man sie ohne Probleme streicheln und füttern kann. Selfies mögen sie aber eher weniger…

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鹿と戯れ                                                                                          鹿②

若草山①

Als krönenden „Abschluss“ meiner ersten zwei Wochen organisierte Herr Okamoto in einem sehr angesehenen Restaurant namens „Yamazaki“ eine Welcome Party. Zwölf verschiedene Gänge, welche alle komplett anders aussahen und schmeckten, verwandelten den Abend in eine richtige Abenteuerreise. Ich habe in meinem Leben noch nie so ausgezeichnet gegessen, auch der Sake und das japanische Bier hätten besser nicht sein können.

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Ich bedanke mich nochmals bei Herrn und Frau Okamoto für ihre unglaubliche Gastfreundschaft und freue mich auf weitere einprägsame Momente.

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☆☆☆Sechter Bericht von Christoph Jetter, sechszehnter Stipendiat der Grünwald Stiftung☆☆☆

Unglaublich wie schnell meine Zeit hier in Japan vergangen ist. Ich war quasi jeden Tag unterwegs, habe unglaublich viel erlebt und gelernt sowie interessante Menschen kennengelernt und fleißig gearbeitet. In meinen letzten zwei verbleibenden Wochen in Japan habe ich mich dem Japan Rail Pass auf reisen begeben. Zuerst ging es nach Süd-Japan und anschließend habe ich Tokyo und Umgebung erkundet. Im Vorhinein war ich vor allem auf die kulturellen, menschlichen und landschaftlichen Unterschieden gespannt.

Die ersten beiden Reiseziele waren Hiroshima und Nagasaki. Beides Schauplätze eines weltweit einzigartigen, negativen Ereignisses – Dem Abwurf von jeweils einer Atombombe am Ende des zweiten Weltkriegs 1945. Die amerikanischen Bomben mit den Namen „Little Boy“ und „Fat Man“ sorgten für unglaubliche Zerstörung, viele Tote, Krankheiten und für ein aufhorchen der Weltgemeinschaft hinsichtlich Atombomben. Beide Städte sind sich dieser Außenwirkung noch heute bewusst, weshalb die Geschichte sehr ausführlich, interessant und leicht verständlich aufgearbeitet ist. Besucher haben Zugang zu vielen verschiedenen Informationsquellen und es ist sehr schwer, innerhalb der Stadt, dem Einfluss der Bomben zu entkommen. Dieses Erlebnis prägt noch heute das Stadtbild und vor allem die Menschen. Die Einwohner sind unglaublich offen, gesprächsbereit und meiner Erfahrung nach kennt sich jeder Stadtbewohner extrem gut mit der Geschichte aus und ist willig dieses Wissen weiter zu geben. Egal ob ich in einem Kaffee saß oder beim Einkaufen angesprochen wurde, immer war meine Meinung gefragt und weitere Nachfragen meinerseits erwünscht. Im Rahmen dessen kam ich auch in das Gespräch mit Mito Kosei, einem überlebendem des Angriffe in Hiroshima. Er hat seine persönlichen Erfahrungen in einem Buch zusammengefasst und liefert viele Informationen, welche ich im offiziellem Museum nicht finden konnte. Diese Erfahrung hat mich nachhaltig geprägt und meinen Verstand nachgeschärft, da es in der Weltpolitik immer wieder um atomare Waffen und Interessenskonflikte geht.

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Unabhängig von ihrer Geschichte sind beide Städte sehr sehenswert. In Hiroshima gibt es die bekannte Insel Miyajima, sowie schönen Gärten und Museen. Besonders der Shukkein Garten hat es mir angetan, in welchem auch der einzige Baum steht, welcher die Atombombe überstanden hat. Noch heute werden dessen Samen, als Zeichen des Friedens, um die Welt verbreitet. Auch traf ich dort einen sehr gesprächigen Londoner, mit welchem ich mich zwei Stunden über Japan, die aktuelle Weltpolitik, die Herausforderungen der Zukunft und vieles mehr unterhielt. Eine spannende Begebung.

Nagasaki ist definitiv die weniger touristische Stadt und das Ereignis der Atombombe ist nicht ganz so präsent. Außerdem ist Nagasaki internationaler geprägt und weniger durch die japanische Kultur. Schon von einiger Zeit war Nagasaki aufgrund des florierenden Hafens bekannt für internationalen Handel und sowohl die Portugiesen als auch die Niederländer hatten eigene Stadtteile. Entsprechend befinden sich in der Stadt viele Restaurants mit globaler Küche und Englisch als Sprache ist deutlich häufiger Vertreten. Die Lage in den Bergen erlaubt zusätzlich großartige Ausflüge in die Umgebung, sowie einen tollen Blick auf die Stadt bei Nacht.

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Auf meiner weiteren Reise nach Kumamoto stelle ich fest, dass ich abseits der Touristen Pfade unterwegs bin. Von der Kansai Region war ich es gewohnt nach Fotos mit mir gebeten zu werden, aber Kumamoto und später auch Kagoshima sollten das toppen. Bis heute habe ich noch nicht ganz verstanden warum das so ist, denn Europäer sind in Japan eigentlich keine Seltenheit, auch wenn es im Süden Japan deutlich weniger zu finden gab. Mir ist auch aufgefallen wie die Verbringung zur Natur zunimmt, je weiter ich Richtung Süden reise. Dies liegt bestimmt auch daran, dass die Größe der Städte abnimmt und das aktive Vulkane regelmäßig zu finden sind. So wollte ich in Kumamoto eigentlich den weltweit größten Krater eines noch aktiven Vulkans besteigen (Mount Aso), allerdings erlaubte das die aktuelle Aktivität des Vulkans nicht. Interessant ist auch, dass die umliegenden Gewässer eine leicht erhöhte Temperatur aufweisen, weshalb Fische und Meeresfrüchte gute Nahrungsbedingungen haben. Dadurch sind die Gerichte in dieser Region noch stärker durch das Meer beeinflusst. Ein besonderes Highlight Kumamoto’s ist der Suizen-ji Garten, welcher die 53 Haltestellen des Tokaido-Shinkansen repräsentiert und damit die Einheit Japans repräsentiert.

In Kagoshima gelang es mir schließlich meine ersten Schritte auf einem Vulkan zu machen. Auch wenn Mount Sakurajima leider nicht vollständig zu besteigen ist, da er zu den aktivsten Vulkanen der Welt gehört. Täglich steigt rauch aus dem direkt vor der Stadt liegendem Vulkan. Ein wirklich großartiges Bild wie der Vulkan mittig in der Bucht von Kagoshima liegt. Trotz der ständigen Gefahr eines Ausbruchs genießen die 600.000 Bewohner Kagoshima’s Annehmlichkeiten wie zum Beispiel öffentliche, warme Fußbäder in der ganzen Stadt. Mein Gefühl war, dass die Leute an der Südspitze Japans, entspannter und gemütlicher durchs Leben gehen als in den Metropolregionen wie Kansai. Nichts desto trotz beobachtete ich weniger Einflüsse der der japanischen Kultur sowie den damit einhergehenden starken internationalen Bezug. Ich denke, dies liegt vor allem an der Entfernung zu Kyoto (der ehemaligen Hauptstadt) und Tokyo, der aktuellen Hauptstadt, welche beide als Zentrum der japanischen Kultur gelten. Zusätzlich hat Süd-Japan eine lange Historie an Revolutionen und internationalem Einfluss.

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Zusammen mit einer sehr guten, taiwanesischen Freundin aus meiner Studienzeit in England ging es für eine Woche nach Tokyo. In der größte Metropole der Welt bekam ich ein deutlich anderes Japan zu sehen wie bisher. Wie erwartet ist Tokyo noch größer, lauter und schneller als andere Metropolregionen. Allerdings empfand ich Tokyo auch als sehr extrem in vielerlei Hinsicht. Es gibt zum Beispiel sehr viele extrem reiche aber auch deutlich mehr arme Menschen. Auch die einzelnen Bezirke Tokyos unterscheiden sich sehr voneinander. Es gibt einen reinen Business Bezirk, mit vielen hohen Häusern, einen reinen Entertainment Bezirk, einen Bereich nur für Elektronik (Electric Town) und vieles mehr. Mir ist auch aufgefallen, dass die Leute versuchen mehr aufzufallen. Ausgefallene Kleidung, seltsame Haarfarben, auffallende Looks, oder Autos sieht man überall. Grundsätzlich wurde viel mehr englisch gesprochen als in anderen Teilen Japans, was auch am größeren Teil an Ausländern liegen mag. Kundenservice und Freundlichkeit leiden, für japanische Standards, darunter ein bisschen.

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Das klassische Sightseeing ist in Tokyo ein bisschen beschränkt, dafür macht das Kennenlernen der Stadt und deren einzelne Bezirke umso mehr Spaß. Neben dem größten Fischmarkt der Welt, dem höchsten Gebäude Japans, bekannten Tempeln und Schreinen gibt es auch den Kaiserpalast zu sehen. Besonders angetan hat mich in Tokyo die Vielfalt an weltklasse Bars und Restaurants, sowie die Stadt bei Nacht. Auch die Rushhour in Tokyo ist für Europäer ein echtes Erlebnis. Für mich persönlich ist Tokyo eine Stadt, die man erleben muss indem man am Alltag teilnimmt, Restaurants und Izakayas besucht, sowie in den Kontakt der Einheimischen sucht und sich nicht nur auf Sightseeing konzentriert. Zusätzlich zur Stadt, gibt es viele Sehenswerte Orte in unmittelbarer Nähe.

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Ich empfehle einen Tagesausflug nach Nikko, einer Stadt in den Bergen nördlich von Tokyo, die aufgrund ihrer beeindruckenden Tempel zum Weltkulturerbe zählt. Die Stadt hat etwas sehr besinnliches und zugleich beeindruckendes und der erste Eindruck lässt keine versteckte Tempelstadt in den umliegenden Wäldern vermuten.

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Ein anderer Ausflug ging zu Japans wohl bekanntestem Wahrzeichen, Mount Fuji. Tatsächlich hatten wir unglaubliches Glück diesen großartigen Berg bei blauem Himmel, kaum Wolken und bester Sicht zu bestaunen. Der inaktive Vulkan beindruckt aufgrund seiner Form, seiner Größe und hat wirkt auf mich etwas mystisch. Da es am Vortag geregnet hat, war Fuji-San mit einer frischen Schicht Schnee überzogen. Meiner Meinung nach sind die Japaner zurecht Stolz auf Ihr Wahrzeichen, denn Ihn zu sehen ist wirklich einzigartig und war für mich sehr besonders. Sicher ist auch, dass ich Mount Fuji besteigen möchte, wenn ich das nächste Mal in Japan bin.

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Bevor es zurück zur Abschiedsparty, mit meinen Freunden von Rotact, nach Osaka ging machte ich noch einen Abstecher nach Kamakura und Yokohama. In Kamakura ist deutlich zu spüren, dass die Stadt in der Vergangenheit einen enormen politischen und kulturellen Einfluss auf das Land hatte. Entsprechend gibt es viele spannende Tempelanlagen und Schreine zu sehen. Am bekanntesten ist der große Budda (Kotoku-In). Unabhängig davon bietet Kamakura einen einzigartigen Blick auf Strand, Surfer und Fuji-San zugleich. Yokohama hingegen scheint sehr international geprägt zu sein, weshalb es ein großes Chinatown gibt, viele Europäische Restaurants und Angebote für Touristen. Dies liegt wohl an der Tatsache, dass Yokohama eine Hafenstadt ist und an ihrer Nähe zu Tokyo.

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Abschließend möchte ich meinen herzlichsten Dank an alle Beteiligten meines drei monatigen Aufenthalts in Japan aussprechen. Dazu gehört in erster Linie natürlich Herr Okamoto und seine Frau, sowie der Rotary Club Grünwald. Zusätzlich möchte ich mich bei den Freunden und Kollegen bedanken, die meinen Aufenthalt in Japan zu etwas ganz besonderem gemacht haben. Die Erfahrungen, welche ich durch das Grünwald-Stipendium bekommen habe sind einzigartig und werden mich nachhaltig prägen.

Während meines Aufenthalts habe ich eine neue Kultur intensiv kennengelernt und neue Blickwinkel bekommen, wodurch ich Prozesse und Strukturen hinterfragen konnte. Zusätzlich durfte ich am japanischen Arbeitsleben teilzunehmen und habe eine neue Sprache gelernt. Des weiteren bin ich persönlich gereift und habe mich weiterentwickelt, wodurch ich bei zukünftigen Herausforderungen auf einen erweiterten Erfahrungsschatz zurückgreifen kann. Neben dem anstrengenden Alltag und intensiver Arbeit habe ich auch die Möglichkeit gehabt neue Freunde zu finden, am intensiven Austausch der Kulturen teilzunehmen und mir eine eigene Meinung über Japan zu bilden, sowie zu reisen.

Diese Erfahrung ist insbesondere möglich, da Herr Okamoto viel Zeit und Energie in seine Stipendiaten investiert. Es ist absolut vorbildlich, wie er dieses Stipendium weiterentwickelt, sowie den interkulturellen Austausch vorantreibt. Ich bin sehr froh, durch Herr Okamoto und seine Stiftung mich nicht nur weiterentwickelt zu haben, sondern in Ihm auch einen Freund und Mentor gefunden zu haben. Nochmals vielen Dank für drei unvergessliche Monate in Japan, welche mein weiteren Lebensweg nicht unwesentlich beeinflussen werden.

☆☆☆Fünfter Bericht von Christoph Jetter, sechszehnter Stipendiat der Grünwald Stiftung☆☆☆

Um mir ein Bild über die Arbeitskultur, sowie Einblicke in ein internationales Unternehmen zu bekommen, verbrachte ich einige Tage bei Yanmar, einem globalem Maschinenbauunternehmen aus Osaka. Während spannenden Einführungsveranstaltungen in das Unternehmen, Besichtigungen der Fabriken und interessanten Diskussionen über Zukunftsthemen des Unternehmens konnte ich viel über die Arbeitswelt in Japan lernen. Mir ist aufgefallen, dass Gesten und Aktionen in Japan deutlich wichtiger sind als Worte. Gute zwischenmenschliche Beziehungen sind die Basis für Geschäftsbeziehungen und ein gutes Miteinander innerhalb des Unternehmens. Dies spiegelt sich
auch in der ausgeprägten Geschenk-Kultur wieder. In Deutschland spricht man oft von den sehr ausgedehnten Arbeitszeiten in Asien. Japan ist dabei keine Ausnahme, denn „9-5“ ist hier eher selten. Japaner haben deutlich mehr Ferien als die meisten erwarten würden. Besonders gesetzliche Feiertage ermöglichen Japaner einen ähnlichen Urlaubsumfang wie in Deutschland. Trotzdem ist es in Japan unüblich länger als eine Woche am Stück in den Urlaub zu gehen. Dies war für mich eher unverständlich, weshalb ich wissen wollte wie es dazu kommt. Der primäre Unterschied zur Kultur in Deutschland ist, dass Japan durch das Kollektiv geprägt ist (Hofstede) während Deutschland ein Land
mit hohem Individualismus ist. Dementsprechend hat eine langer Urlaub am Stück negative Auswirkungen auf die Arbeitsbelastung der Kollegen, was es zu vermeiden gilt. Diese Überlegung scheint mir in Deutschland eher zweitrangig zu sein.

Der Suita Rotact Club stellt für mich eine großartige Möglichkeit dar, mit den Einheimischen in meinem Alter in Kontakt zu treten. Während meinen bisherigen acht Wochen in Japan stellte ich oft fest, dass Europäer immer noch etwas Besonderes in Japan sind und vor allem ältere Generationen anderen Kulturen und Touristen gegenüber eher verschlossen und abweisend auftreten. Herr Okamoto ist ganz anders, was wohl auch an seinem langjährigen Aufenthalt im Ausland liegt. Seine Stiftung trägt einen großen Teil dazu bei, Japaner mit anderen Kulturen in Kontakt kommen zu lassen. Besonders die Leute von Rotact fragen mir Löcher in den Bauch, sind sehr aufgeschlossen und haben Interesse am
kulturellen Austausch. Ein möglicher Grund warum ältere Generationen Ausländern gegenüber verschlossener Auftreten könnte sein, dass Japan als Insel grundsätzlich nicht in direkten Kontakt mit anderen Kulturen kommt, anders als wir in Deutschland, wo die Wege zu umliegenden Ländern kurz sind. Zusätzlich waren Flüge früher deutlich teurer und das Reisen beschwerlicher, wodurch andere kulturelle Erfahrungen schwieriger zu erlangen waren. Die Mitglieder von Rotact jedenfalls haben eine andere Einstellung zu neuen Kulturen, da sie in einer globalisierten und verknüpften Welt aufgewachsen sind. Jedoch sieht man den Einfluss der Eltern sowie der Politik des Landes, da nahezu
keiner der gleichalten Mitglieder Englisch spricht.

In der gesamten Kansai Region gibt es nur einen einzigen Weihnachtsmarkt, was selbstverständlich an der religiösen Prägung Japans liegt. Wie sich herausstellte war es ein Deutscher Weihnachtsmarkt, weshalb ich zusammen mit meinen japanischen und deutschen Freunden einen Abend dort verbrachten. Bei teurem Glühwein, Gebäck, deutscher Bratwurst und Baumkuchen verbrachten wir einen netten und vorweihnachtlichen Abend. Obwohl Weihnachten im Buddhismus nicht von Bedeutung ist, erzählten mir meine japanischen Freunde, dass Weihnachten seit Jahren an Beliebtheit zunimmt. Dieser Trend lässt sich auch Im Stadtbild erkenne, da viele Lichterketten aufgehängt werden,
Kaufhäuser weihnachtlich dekorieren, Eislaufflächen aufgebaut werden und weihnachtliche Musik gespielt wird. Der Unterschied ist, dass Weihnachten in Japan primär vom Handel eingeführt wurde,
um den Umsatz zu steigern. Zeit für die Familie, gutes Essen und Besinnlichkeit wird in Japan eher an Neujahr gefeiert, wo im Gegensatz zu unser Kultur kaum Feuerwerk zu sehen ist. Trotzdem kommt der deutsche Weihnachtsmarkt bei den Einheimischen sehr gut an und hat viele Besucher. Schön zu beobachten ist die Verschmelzung der europäischen und der japanischen Kultur bei Veranstaltungen wie dem Weihnachtsmarkt. Anders als in Deutschland holt sich nicht jeder sein eigenes Essen, sondern jeder geht zu einem anderen Stand und am Ende wird alles geteilt. Diese Einstellung beim Essen möchte ich auch in Deutschland beibehalten, da es einem die Möglichkeit gibt viel mehr zu probieren
und gleichzeitig ein großartiges Symbol der Gemeinschaftlichkeit ist.

Japanisches Porzellan hat mir bereits vor meiner Zeit in Japan sehr gut gefallen. Die unterschiedliche Wahrnehmung von Ästhetik empfinde ich als spannend und schön. Dabei geht es weniger um das fehlerfreie Produkt, beziehungsweise klare und saubere Linienführung oder Kanten, sondern mehr um das „perfekte, unperfekte“. Dazu kommen Formen und Farben bei alltäglichen Gebrauchsgegenständen, die ich vor Japan nicht kannte und als sehr interessant empfunden habe. Um ein besseres Verständnis für die Produkte zu bekommen ging ich zusammen mit zwei Studentinnen aus Kyoto zu einer Töpferei wo wir neben einigen Erklärungen auch zwei Gegenstände selbst töpfern durften. Da es mein erste Erfahrung in einer Töpferei war, kam es mir sehr entgegen, dass nicht alles perfekt sein muss. Wir hatten sehr viel Spaß und bekamen viele Hintergründe und Einblicke in die traditionelle Herstellung von japanischem Porzellan. Dabei wurde mir auch nochmal die Bedeutung der Jahreszeiten in Japan verdeutlicht. Die japanische Kultur ist sehr eng mit der Umwelt verbunden, weshalb die einzelnen Jahreszeiten viel Einfluss im Alltag aufweisen, so auch beim Gebrauch des entsprechend verzierten Geschirrs. Im Widerspruch dazu verstehe ich nicht, wieso Japan so viel Plastikmüll produziert. Von allen Ländern, die ich bisher bereist habe, ist Japan im Hinblick auf Plastik am umweltunfreundlichsten. In Supermärkten ist quasi alles mehrfach in Plastik eingepackt, oft nur für optische Zwecke. So kann es sein, dass Erdbeeren einzeln in Plastik eingepackt sind. Von einem entwickelten Land wie Japan erwarte ich entsprechend mehr Rücksicht auf die Natur, auch wen dafür eventuell kulturelle Errungenschaften, wie die ausgeprägte Geschenkkultur, auf Plastiktüten oder zusätzliche Verzierungen verzichten müssen.

Inzwischen beginnt auch schon die Zeit des Abschiednehmens, weshalb Familie Ikawa nochmal ein ausgiebiges Abendessen organisiert hat. Beim traditionellen Sukiyaki, Bier, Sake und natürlich vielen selbergemachten Speisen hatten wir einen tollen Abend zusammen. Frau und Herr Ikawa sind großartige Köche und ich habe mich sehr gefreut Informationen über die Herstellung einiger Gerichte erfahren zu können. Kobe hat mir sehr gut gefallen und Familie Ikawa hat sehr viel Zeit und Engagement darin investiert mir die Umgebung zu zeigen. Ich hoffe, mich bei Gelegenheit in München revangieren zu können.

Für drei Tage fuhr ich mit Herr Okamoto, seiner Frau und Frau Moriyama nach Toyama (To = viele; Yama = Berge), die Heimat von Frau Okamoto. Es war das erste Mal, dass ich fernab von großen Städten und Menschenmassen während meines Japanaufenthalts war. Die ländliche Seite Japans hat mich sehr beeindruckt. Hohe Berge, Herbstlaub, Meer und Flüsse die sich durch die Landschaft ziehen. Die Unterschiede zum Stadtleben waren vor allem der gemütlichere Alltag, die Verbundenheit der Menschen zur Natur und die kaum vorhandenen öffentlichen Verkehrsmittel (Trotz Städten mit bis zu 600.000 Einwohnern). Die Naturverbundenheit und die Liebe zum Meer zeigt sich auch durch die in
der Region bekannte Krabbe (Kani). Da diese Delikatesse nur saisonal verfügbar ist, kann so eine Krabbe in Ausnahmefällen auch mal 400.000 Yen (ungefähr 3000€) kosten. Trotzdem gönnen sich die Einheimischen diesen Luxus und teilen das Krabbenfleisch mit Ihrer Familie oder Ihren Freunden. Diese Geste der Dankbarkeit hat einen hohen Stellenwert in der Gesellschaft und zeigt einmal mehr, dass es in Japan um die Gemeinschaft und das Kollektiv geht, nicht um das Individuum. Ich habe hier in Japan gelernt, den in Deutschland sehr ausgeprägten Egoismus aus einem anderen Perspektive zu sehen und teilweise kritisch zu hinterfragen. Während des dreitägigen Ausflugs konnte ich die alte Stadt Shirakawa besichtigen, Kanazawa mit dem beeindruckendem Schloss entdecken, Berggipfel erklimmen und wurde kulinarisch sehr verwöhnt.



☆☆☆Vierter Bericht von Christoph Jetter, sechszehnter Stipendiat der Grünwald Stiftung☆☆☆

Ähnlich wie in Deutschland, scheint Bier eines der beliebtesten Getränke der Japaner zu sein. Da ich aus meinem Fenster direkt auf eine der Brauereien von Asahi schaue, dem größten Bierproduzenten Japans, beschloss ich eine Führung zu machen. Japan ist ein Land mit hohen
Ansprüchen, weshalb Asahi extra Experten aus Deutschland eingeflogen hat um die Möglichkeiten, sowie die Qualität der Zutaten zu überprüfen. Ähnlich wie in vielen alltäglichen Aspekten, sind die Anlagen von Asahi durch Effizienz, Sauberkeit und modernster Technologie geprägt. Begleitet wurde ich von Chinami, mit der ich anschließend noch leckeres Sushi essen ging, sowie viele Stunden im Expo Park aus 1970 verbrachte. Die Anlage des Parks ist riesig, großartig erhalten und besonders der Japanische Garten dort ist sehenswert.

In Kooperation mit dem Goethe Institut Osaka Verbrachte ich einen Tag als Schauspieler für die jährlich erscheinenden Werbevideos. Während des Drehtages konnte ich viele neue Leutekennen lernen und Freundschaften knüpfen. Außerdem wurde mir klar, dass Fremdsprachen lernen in Japan nicht selbstverständlich ist und es viel politisches und unternehmerisches Engagement benötigt um die Vorteile von Sprachen zu verdeutlichen. Zusätzlich konnte ich viel über die Arbeitswelt in Japan lernen und den damit verbundenen Urlaubsansprüchen. Diese vorherrschenden Strukturen haben spürbare Auswirkungen auf das Reise Verhalten der Japaner sowie deren Einstellung gegenüber anderen Nationalitäten.

Wenn man sich bei den Einheimischen umhört, so wird der Herbst von den meisten als die schönste Jahreszeit hervorgehoben, noch vor der Kirschblüte. Um mich davon selbst zu überzeugen habe ich mich an drei aufeinanderfolgenden Tagen nach Kyoto begeben um dort in den unzähligen Gärten die verfärbten Blätter anzuschauen. Auch wenn noch nicht alle Blätter soweit sind, ist es wirklich beeindruckend, welche Farbenpracht hier in Japan entsteht. Tatsächlich verfärben sich die Blätter ganz anders als in Deutschland, was zum einen an den anderen Temperaturen liegt, aber auch an den lokalen Baumarten. Am schönsten leuchtet der rote Ahorn im Sonnenlicht. Besonders gut hat mir während dieser Tage Daiho-ji, Kodai-ji, der Kaiserpalast, Heian-Schrein und der silberne Tempel gefallen. Deutlich spürbar ist auch die
erhöhte Anzahl an Touristen in den Städten, welche sich dieses Ereignis nicht entgehen lassen möchten. Viele Japaner empfinden dies als störend, da einige Sehenswürdigkeiten nur mit Einlasskontrolle und Voranmeldung eine Besichtigung ermöglichen, wodurch speziell die
einheimischen einen Nachteil haben. Mir ist auch aufgefallen, dass im Herbst besonders viele Japaner ihre Traditionen ausleben und zu gemeinsamen Abenden einladen.


Ein besonderes Erlebnis für mich war die Einladung von Herr Okamoto und seiner Frau zu einem Abendessen mit dem aktuellen Generalkonsul Dr. Köhler und Herr Shinyo, einem ehemaligen Botschafter, welche in Begleitung Ihrer Frauen waren. An diesem Abend konnte ich viel über die politische Lage in Japan, die Bedeutung Deutschlands für Europa und die Weltwirtschaft, sowie über Zukunftsthemen lernen. Zudem freute ich mich über das Interesse der Gäste an meinem Lebensweg, meinen Ziele und spannenden Anregungen zu meinem kommenden Berufseinstieg. Im Anschluss an das mehrgängige Abendessen gab es eine traditionelle Teezeremonie, bei welcher ich viel über die japanische Kultur erfahren konnte sowie einzelne Verhaltensweisen reflektieren und im Alltag wiederfinden konnte. Auch die Tee-Zeremonie ansich, bei der abwechselnd sehr süße Snacks gegessen werden und anschließend der bittere Matcha Tee getrunken wird, bestätigten mir meine Meinung über Japan als Land der Gegensätze.

Zusammen mit Frau Wada, Alexander und Ulrich unternahm ich einen Tagesausflug in das geschichtsträchtige Bergdorf Koyasan. Gemeinsam erkundeten wir die beeindruckenden Friedhöfe, Tempel und Museen. Besonders interessant waren die „Firmengräber“ wo Angestellte entsprechend der Firmenzugehörigkeit beerdigt wurden. Dies geht auf die Loyalität der Japaner zurück, da es nicht unüblich ist, sein ganzes Leben im selben Unternehmen zu verbringen. Frau Wada als Reisebegleitung gab uns viel Hintergrundinformation und ermöglichte somit einen lehrreichen Tagesausflug. Am darauffolgenden Tag bekam ich die Möglichkeit mit einer Gruppe von sieben Japanern Mount Rokko, nahe Kobe, zu besteigen. Während des mehrstündigen Aufstiegs konnte ich interessante Einblicke in das Japanische leben bekommen und mich überspannende Themen austauschen. Besonders interessant fand ich, dass bei traditionellen Hochzeiten jeder Gast einen „Eintritt“ zahlt um so die kosten der Hochzeit zu unterstützen. Im Anschluss an die Wanderung besuchten wir die nahegelegene Onsen Stadt Arima, welche zu den ältesten, natürlichen heißen Quellen Japans gehört. Onsen ist ein traditioneller und bedeutender Aspekt der japanischen Kultur, da es zum einen die Verbindung zur Entstehungsgeschichte der japanischen Landmasse darstellt und zum anderen die japanische Kultur seit Jahrzehnten
prägt. Der Tagesausflug wurde durch ein hervorragendes Abendessen bei Frau Ikawa in Kobe beendet. Wir waren eine großartige Gruppe, hatten unglaublich viel Spaß und haben den Tag intensiv genutzt um viel über die jeweils andere Kultur zu erfahren.

Im Rahmen der Kooperation mit der Universität in Kyoto konnte ich am Sonntag nochmal an einer traditionellen Tee-Zeremonie teilnehmen. Der streng vorgegebene Ablauf bedarf Jahre des Trainings und viel Disziplin. Seit mehreren Jahrzehnten lehrt und praktiziert die Mutter von Professor Aoji dieses Ritual, weshalb Sie jeden Schritt fehlerfrei beherrscht. Anders als bei Herr Okamoto zuhause saßen wir im traditionellen „Seiza“, was für mich als Europäer durchaus schmerzhaft war. Trotzdem war es erneut ein tolles Erlebnis an diesem besonderen
Event teilnehmen zu dürfen und die japanische Kultur hautnah mit zu erleben. Das Ritual zeigt erneut die Genauigkeit, Disziplin und Integration von Traditionen in den Alltag. Anschließend genossen wir in einer netten Runde ein hervorragendes Abendessen mit vielen typisch
japanischen Speisen. Ich schätze es sehr, so nah am japanischen Alltag dabei sein zu können um möglichst viele Einflüsse und Eindrücke aus erster Hand zu erfahren. Grundsätzlich empfinde ich Japaner als sehr gastfreundlich und mit einem ausgeprägtem Interesse andere Nationen an ihrer Kultur teil haben zu lassen.

☆☆☆Dritter Bericht von Christoph Jetter, sechszehnter Stipendiat der Grünwald Stiftung☆☆☆

Meine fünfte Woche begann mit einem Symposium an Herr Okamoto‘s ehemaliger Universität in Kyoto. Studenten, Professoren und Interessierte diskutierten angeregt wie man den Deutsch-Japanischen Austausch und das gegenseitige Interesse verbessern kann. Der Ausflug mit den Studenten der KPU in dieser Woche ging auf das bekannte Stadtfest „Jidai Matsuri“ in Kyoto. Das „Alte Zeit“ Fest stellt verschiedenen geschichtliche Ereignisse Japans dar wodurch mit besonders die verschiedenen Regierungsepochen verdeutlich wurden.

Sportlich ging es dieses Mal an die frische Luft wo ich mit einigen japanischen Freunden Tennis spielte. Es hat viel Spaß gemacht und zeigt deutlich wie warmherzig man ich in Japan aufgenommen wurde. Bereits eine Woche später spielenten wir erneut, diesmal in Begleitung einer Australierin, die ich in der Sprachschule kennenlernt habe. Außerdem konnte ich mit Herr Okamoto das Klavierkonzert von Frau Moriyama besuchen. Beeindrucken wie Sie mit ihrer Partnerin den Nachmittag musikalisch gestaltet hat.

Da ich nach meinem ersten Besuch in Kobe schon sehr von der Stadt angetan war, habe ich kurzerhand beschlossen nochmal dort hin zu fahren. Bereits sehr früh genoss ich die Ruhe am Hafen, den sensationellen Ausblick vom obersten Stock des Rathauses sowie die Innenstadt. Gestärkt durch ein „Gyudon“ mit dünnen Kobe Beef scheiben ging es auf den Hausberg der Stadt mit tollem Blick, angelegten Kräutergärten und Liegestühlen. Auf dem Rückweg besuchte ich Koji Matsuda in seiner Weinhandlung, welchen ich am Deutschen Weinabend kennengelernt habe. Eine Weinprobe durfte natürlich nicht fehlen. Abends nutzte ich die einzigartige Möglichkeit in Kobe, Kobe Fleisch zu probieren. Ein wahrer Genuss und garantiert ein unvergessliches Erlebnis.

Im Rahmen der Stipendiums Planung haben Herr Okamoto und ich uns zusammengesetzt du meine Reisezeiträume gemeinsam definiert. Entsprechend habe ich die ersten organisatorischen Aufgaben erledigt und potenzielle Ziele mit Herr Okamoto abgestimmt. Auch wenn es noch ein bisschen dauert, freue ich mich bereits sehr, Japan auch außerhalb der Kansai Region kennen zu lernen.

Mit dem Rotary-Club Suita konnte ich, zusammen mit Frau Moriyama, einen Tagesausflug in den Westen Osakas machen. Früh morgens besuchten wir eine Sake Brauerei mit anschließender Probe, gefolgt von einem traditionellen und beeindruckendem Mittagessen in einem klassisch, japanischem Haus. Auf dem Boden sitzend wurde an einer Feierstelle diverses Fleisch, Fisch, Gemüse und vieles mehr gegrillt. Im Anschluss besuchten wir eine Töpferei, in welcher wir unsere individuelle Tasse gestalten durften. Bevor es wieder Richtung Heimat ging
hatten wir noch die Möglichkeit einen Onsen, die natürlichen heißen Quellen Japans, zu besuchen. Direkt im Anschluss verbrachte in den Abend mit Mitgliedern des Rotaract Clubs in einem „Japanese BBQ“ Restaurant. Ein wirklich gelungener Sonntag!

Im Rahmen der Zusammenarbeit mit dem Goethe Institut Osaka stand eine Probe für die zeitnah zu drehenden Werbefilme auf dem Programm. Wir hatten einen großartigen

Vormittag und ich bin gespannt wie der eigentliche Drehtag verläuft. Außerdem machte ich mit Herr Okamoto einen schönen Ausflug zum Himeji-Schloss, welches sehr sehenswert ist. Von dort ging es für mich mit dem Shinkansen nach Kyoto um, im Rahmen eines Symposiums, in der Uni meine Zusammenarbeit mit den Studenten zu präsentieren.

☆☆☆Zweiter Bericht von Christoph Jetter, sechszehnter Stipendiat der Grünwald Stiftung☆☆☆

Die dritte Woche in Japan startete mit einem Ausflug ins nahe gelegene Nara. In Deutschland ist die Stadt primär wegen des freilaufenden Sikawildes bekannt, welches sich füttern und anfassen lässt. Gelegentlich kann man auch beobachten, dass ein Tier sich aktiv auf Nahrungssuche in einer der Handtaschen macht. Zusätzlich gibt es in Nara viel Kultur zu erleben. Dazu gehört zum Beispiel die bekannte Asura Statue und der Todai-ji Temple, welcher durch Japans größte Buddha Statue bekannt ist. Der 08.10.2018 ist in Japan der „Health and Sports Day“ und somit ein Feiertag, weshalb Nara ziemlich überlaufen war.

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Am nächsten Morgen traf ich Herr Okamoto und er zeigte mir wie man mit einer Feder schreiben kann. Nach anfänglichen Schwierigkeiten funktionierte es dann doch recht gut. Abends gingen wir zusammen auf einen Sprachtisch, der speziell für eine aus Lüneburg angereiste Delegation organisiert worden war. Das gereichte bayrische Essen und die dazu gesungenen bayrischen Lieder zeigten mir, dass Bayern ausschlaggebend die „deutsche Kultur“ im Ausland prägt. Der Abend wurde außerdem auf hohem Niveau von einem Chor der lokalen High-School musikalisch begleitet.

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Im Laufe der Woche konnte ich Frau Ikawa in Ihrer High-School in Kobe besuchen. Das Ganze wurde zu einer unvergesslichen und sehr lustigen Deutschstunde. Im Anschluss bekam ich von Ihr und Ihrer Tochter eine Stadttour mit Mittagessen im Chinatown. Der erste Eindruck von Kobe war sehr positiv und ich möchte demnächst nochmal einen Tag dort verbringen. Das Abendprogram bestand aus einem „Economic Round Table“ im Swiss Hotel, woran viele interessante Gäste teilnahmen. Der organisierte Redner sprach über das Thema Corporate Social Responsibility und dessen Trend. In der anschließenden Diskussion wurden die perspektivischen Unterschiede zwischen politischem Engagement und unternehmerischer Realität thematisiert.

Im Rahmen des Stipendiums besuche ich inzwischen zweimal wöchentlich die Sprachschule in Suita. Der Unterricht findet ausschließlich auf Japanisch statt und das Tempo ist für einen Einsteigerkurs recht hoch. Besonders schwer fällt es mir Hiragana und Katakana auswendig zu lernen, was mir automatisch die Grundlage für das Lesen nimmt. Jedoch empfinde ich die Sprachschule als interessant und sehr hilfreich, weshalb ich umso mehr Zeit ins Auswendiglernen der Buchstaben investiere.

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Besonders hervorzuheben sind die netten Menschen, mit denen ich durch Herr Okamoto bisher in Kontakt gekommen bin. Regelmäßig begegne ich denselben Leuten, wodurch sich bereits Freundschaften entwickelt haben und gemeinsame Unternehmungen geplant werden. Dadurch kam ich neulich zum Badminton spielen in der nahegelegenen staatlichen Sporthalle. Weitere Ausflüge, sportliche Aktivitäten und abendliche Treffen sind bereits organisiert. Dazu gehört auch der regelmäßig stattfindende deutsche Wein Abend, an dem ein leckeres vier Gänge Menü, mit den dazu passenden Weinen aus der Pfalz, serviert wurde. Das gewählte Restaurant bietet zusätzlich einen großartigen Blick auf das markante, rote Riesenrad in Osakas Stadtkern. Im Anschluss ging es in einer kleinen Gruppe noch zur traditionellen „Zweiten Runde“ auf ein Bier in der Nähe.

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Wie jeden Sonntag war ich mit den Studenten der Kyoto Präfektur Universität unterwegs. Diesmal begleitete uns Professor Aoji und wir gingen in den Süden Kyotos, welcher durch seine Vielzahl an Sake Brauereien bekannt ist. Entsprechend durfte das Sake Museum sowie verschiedene Sake Proben nicht fehlen. Zusätzlich machten wir noch eine Bootsfahrt und schauten uns die Umgebung an.

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Die Japanisch Deutsche Gesellschaft gibt regelmäßig ein Magazin heraus, welches Sich „Der Bote von Osaka“ nennt. Für die kommende Ausgabe waren Herr Okamoto und ich für ein Interview mit dem Hotel Manager des Swiss Hotels zuständig. Bei einem Mittagessen im 35 Stock stellten wir interessante Fragen zum Karriereweg des Managers, seine Einschätzung zur Entwicklung des Tourismus in Osaka und Japan, sowie über seine beruflichen und familiären Ziele und Wünsche.

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Die zweite Woche ging mit zwei Tagesausflügen nach Kyoto zu Ende, bei denen ich einige der „Must See“ Orte Kyotos besuchen konnte. Dazu gehört der Bambuswald in Arashiyama, Tenryu-ji Temple, Ryouan-ji Temple und natürlich der goldene Tempel.

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Ein kultureller Unterschied, der mir in den ersten vier Wochen immer wieder sehr positiv aufgefallen ist, ist die präsente Dankbarkeit, welche tief in der japanischen Kultur verankert ist. In nahezu jeder Lebenssituation wird Dankbarkeit durch Worte und Gesten zum Ausdruck gebracht. Beim Essen wird sowohl vor als auch danach für das Gericht gedankt und Getränke werden sich grundsätzlich nicht selbst eingeschenkt, was zusätzlich für eine hohe Aufmerksamkeit am Tisch sorgt. Sobald man nachgeschenkt bekommt wird das Glas mit beiden Händen gereicht, eine Geste der Dankbarkeit. Ähnlich ist es beim Überreichen von Visitenkarten. Diese Verhaltensweisen führen zu einer Gesellschaft mit ausgeprägtem gegenseitigen Respekt und Wertschätzung.

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