☆☆ Fünfter Bericht von Luca Spring, fünfzehnter Stipendiat der Grünwald Stiftung ☆☆

Nach vielen weiteren Abenteuern mit dem Shinkansen, neuen herzlichen Kontakten und Freundschaften und zahlreichen kulinarischen Sternstunden muss ich etwas überrascht feststellen, dass sich die drei Monate in Japan bereits dem Ende neigen und ich mein lieb gewonnenes Zuhause in Osaka leider bald verlassen muss.

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In den vergangenen Wochen durfte ich nochmals quer durch Japan reisen und das Land aus weiteren unterschiedlichen Blickwinkeln entdecken. Angefangen vom Südwesten an Orten wie Hiroshima, Itsukishima, Matsuyama, Takamatsu, Kurashiki, Koyasan, Ise, Kyoto, bis hin zu östlichen Gebieten wie Tokyo, Kamakura, Nikko und Hakone – ich erlebte eine Vielfalt an historischen und geschichtsträchtigen Orten, religiösen Klöstern und Tempelanlagen, mystisch anmutenden moosig-feuchten Zedernwäldern, vielseitigen Museumsausstellungen und dem lauten grellen Menschentreiben auf den Straßen Tokyos.

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Neben den spannenden Erlebnissen der Reise durfte ich erneut spüren, welch große Gastfreundschaft und Herzlichkeit Japan besitzt. Die vielen Einladungen zu Ausflügen, Abendessen und Barbesuchen waren mir stets eine sehr große Freude und erlaubten mir, während der letzten Monate in Japan ein freundschaftliches und tolles Zuhause gefunden zu haben. Herzlichen Dank!

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Die Verbundenheit und aufrichtige Freundschaft zu Japanern zeigte sich mir nicht zuletzt auch in den Stunden nach dem Erdbeben am 18. Juni. Etwas verschreckt aus dem Schlaf geschüttelt, war ich schnell nicht nur beeindruckt vom professionellen, nüchternen und fast schon routinierten Umgang der Japaner mit der Krisensituation, sondern besonders auch von den vielen hilfsbereiten persönlichen Nachrichten von japanischen Kontakten, die sich nur Sekunden nach dem Erdbeben nach meinem Wohlbefinden erkundeten und mir den genauen Stand der Lage erklärten.

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Ohne Zweifel birgt Japan für Deutsche zahlreiche Kuriositäten und Eigenheiten. Nach drei einzigartigen und vielseitigen Monaten konnte ich inspirierende Einblicke in das japanische Leben, die Geschichte, Sprache und das Land gewinnen und feststellen, dass einige Stereotypen oft überspitzt sind und Japan und Deutschland tatsächlich viele Gemeinsamkeiten haben. Gleichzeitig lernte ich einige Aspekte und Facetten Japans kennen, von denen sich die westliche Welt und Deutschland etwas abschneiden sollten.

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Ich bedanke mich sehr herzlich bei Herr und Frau Okamoto für ihre Gastfreundschaft und ihre bewundernswerte und inspirierende Motivation, ihren vollen Einsatz und ihre Zeit, jungen Menschen wie mir mit dem Grünwald-Stipendium diese Einblicke zu ermöglichen und so das interkulturelle Verständnis und den Austausch zwischen Japan und Deutschland zu intensivieren. Ihre Mission wird mich ganz gewiss mein Leben lang begleiten und leiten.

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☆☆ Vierter Bericht von Luca Spring, fünfzehnter Stipendiat der Grünwald Stiftung ☆☆

Frischer Fisch, viel Schnee und weite Reisfelder – diese drei Schlagwörter fassen meine neuen Erlebnisse in Japan zusammen. Bisher durfte ich Japan besonders durch seine Ballungsräume und Großstädte erleben: Osaka, Kyoto, Kobe, Tokyo – tatsächlich lebt ein Großteil der japanischen Bevölkerung in den bekannten urbanen Zentren. Das liegt unter anderem an den geographischen Gegebenheiten, denn rund drei Viertel Japans ist schlicht nicht bewohnbar, da diese Gebiete zu bewaldet oder gebirgig sind. Was vielen Besuchern der Metropolen verborgen bleibt, durfte ich in während einer kurzen Reise mit Herrn und Frau Okamoto und Frau Moriyama erstmals erleben. Herzlichen Dank an Herrn und Frau Okamoto für diese einmaligen Eindrücke!

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Entlang der Küste reisten wir durch die Provinz Ishikawa nach Toyama. Schon auf der Anreise durften wir in einem kleinen Fischerdorf ein höchst delikates Fisch-Mittagessen genießen und dabei gleich frische Krebse fürs Abendessen in Toyama mitnehmen. Muscheln, roher Fisch (Sashimi) und diverse Krustentiere – selten habe ich so frische und leckere Meeresfrüchte gegessen. Dabei lernte ich, dass Japaner so viel Fisch essen (40 Kilo pro Person und Jahr), dass der eigene lokale Fischfang gar nicht ausreicht, sondern 10% des weltweiten Fischfangs in Japan verspeist werden. Entgegen meiner Erwartungen wurde das kulinarische Erlebnis am Mittag aber durch das abendliche Krebsessen getoppt.

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Im alten traditionellen Geburtshaus von Frau Okamoto durfte ich nicht nur die Kunst des Krebsessens lernen, sondern auch die friedliche, harmonische und besondere Atmosphäre eines traditionellen japanischen Wohnhauses erleben. Unbehandeltes Holz und mit transparentem Papier bespannte leichte Schiebtüren mit filigranen Holzrahmen ergeben ein eine schlichte und klare Architektur und ein für mich beeindruckendes Raumgefühl. Auch unter praktischen Gesichtspunkten finde ich die beweglichen Wände und Raumteiler inspirierend.

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Von der Küstenregion ging es bald hinauf auf knapp 3000 Meter nach Tateyama Kurobe, wo ich das verschneite und alpine Japan erleben konnte. Durch Kastanienwälder bis in die baumlosen kargen Hochlagen schlängelt sich eine Straße durch meterhohe Schneewände hindurch und eröffnet beeindruckende Blicke in die Ferne. Dazu wanderte ich während der Reise zu beeindruckenden Wasserfälle und konnte schöne ländliche Gebiete Japans kennenlernen, mit seinen Wäldern, Reisfeldern und Gebirgslandschaften. Inmitten der Gifu Präfektur durfte ich das Bergdorf Shirakawa besuchen, wo so genannte Minka Bauernhäuser mit traditionellen Reetdächern mir eine gänzlich neue Seite Japans eröffneten. Nicht zuletzt bereisten wir auch noch Inuyama nahe Nagoya in der Aichi Präfektur und durften das historische Schloss besichtigen.

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Während dieser Tage habe ich Japan, ganz fernab der großen Metropolen, ein weiteres Stück näher kennen lernen dürfen. Jeden Japantouristen kann ich es ans Herzen legen, auch diese etwas untypischen und ländlicheren Gegenden zu besuchen.

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☆☆ Dritter Bericht von Luca Spring, fünfzehnter Stipendiat der Grünwald Stiftung ☆☆

„Karoshi“ (過労死) bedeutet „sich zu Tode arbeiten“ und ist ein Ausdruck, den es wohl nur im Japanischen gibt. Nachdem ich schon in Europa von diesem Begriff gehört hatte, kam ich also mit einer leicht voreingenommenen Haltung nach Japan. Wie gestaltet sich der japanische Arbeitsalltag, welchen Stellenwert hat ein Arbeitgeber und was ist an den Stereotypen dran? Diese Fragestellungen durfte ich in den vergangenen Wochen vertiefen.

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Denn ich hatte die große Ehre, eine knappe Woche lang Arbeitsluft zu schnuppern bei Yanmar, einem japanischen international tätigen Maschinenbauunternehmen. Zu den Kernprodukten gehören Motoren für Boote und Schiffe sowie Baumaschinen und Traktoren. Mein besonderer Dank gilt der Firma Yanmar, Herr Yamaguchi, Herr Yukino, Herr Matsumoto und Frau Kano für die beeindruckenden Tage im Unternehmen, die tolle Organisation und die Zeit und Muße, meine Fragen zu beantworten und mir so die japanische Arbeitskultur ein weiteres Stück näher zu bringen. Herzlichen Dank!

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Während meines Aufenthalts bei Yanmar durfte ich nicht nur die organisationale Struktur des Firmengruppe, ihre Kerngeschäfte, Firmengeschichte und Kultur kennenlernen, sondern auch erfahren, welchen Veränderungen und Herausforderungen japanische Konzerne heute gegenüberstehen. Wechselnde Arbeitsanforderungen, Chancengerechtigkeit und Vielfalt am Arbeitsplatz, eine bessere Vereinbarkeit von Arbeit und Familie – all diese Thematiken kommen mir aus Deutschland bekannt vor.

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Neben klassischen Fragstellungen aus dem Personalmanagement erhielt ich zudem spannende Einblicke in Bereiche des Brand Management und des Produktionsressorts. Hier durfte ich gleich mehrere Entwicklungs- und Fertigungsstätten des Unternehmens besuchen und hatte das Privileg, durch die Fabrikanlagen in Nagahama, Kurashiki, Okayama und Kurume geführt zu werden.

Besonders beeindruckt haben mich die herzlichen und offenen Mitarbeiter, die faszinierende, arbeitnehmerorientierte und nachhaltige Architektur des Yanmar-Headquarters in Osaka und die stark automatisierten, sauberen und äußerst fortschrittlichen Fertigungsbetriebe. Besonders in den Fabriken hatte ich die einmalige Möglichkeit, in die Philosophie des japanischen Operations Managements einzutauchen und Konzepte wie Kaizen hautnah erleben zu dürfen.

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Die Zeit bei Yanmar ließ mich auch einige meiner Vorurteile gegenüber der japanischen Arbeitsmentalität teils ablegen beziehungsweise anpassen. So scheint es mir, dass lange Überstunden und das Vernachlässigen der Gesundheit für die Arbeit keineswegs mehr die Regel in Japan sind, sondern ein gesteigertes Verlangen nach Vereinbarkeit zwischen Arbeit und Familie und einer stärkeren Trennung zwischen Arbeit und Privatem erfolgt. Sicherlich gibt es einige Fälle, in denen auch heute noch bis zum Umfallen arbeiten. Ein Blick auf die Statistik jedoch zeigt, dass nur knapp jeder Fünfte Japaner heute mehr als 49 Stunden die Woche arbeitet, inklusive Pausen. Daher ist der Ausdruck heute „Karoshi“ eher nicht repräsentativ.

Bestätigt hat sich für mich die Annahme, dass japanische Angestellte ein gesteigertes Loyalitätsempfinden gegenüber ihrem Arbeitgeber haben. Dies spiegelt sich in zahlreichen Aspekten des Alltags wider. Zum einen arbeiten Japaner im Schnitt deutlich länger im gleichen Unternehmen, oft sogar ihr gesamtes Leben lang. Auch wenn sich diese Tradition im Wandel befindet, scheint mir der sichere lebenslange Arbeitsplatz doch die Norm zu sein. Das gesteigerte Kommittent und das enge Verhältnis gegenüber dem Arbeitsgeber lässt sich auch in den regelmäßigen abendlichen Verabredungen mit den Kolleginnen und Kollegen erkennen. Beeindruckend fand ich zudem, dass Mitarbeiter stets um ein positives Erscheinungsbild ihres Unternehmens im Kopf haben. Sind sie durch Uniform oder umhängendes Namensschild als Mitarbeiter gekennzeichnet, vermeidet man es beispielsweise in der Öffentlichkeit über eine rote Ampel zu gehen.

Für die spannenden Einblicke und Erfahrungen: どうもありがとうございました!

☆☆ Zweiter Bericht von Luca Spring, fünfzehnter Stipendiat der Grünwald Stiftung ☆☆

Viele Zugreisen, beeindruckende Tempelanlagen und Menschenströme in der Großstadt – so lassen sich meine letzten zwei Wochen in Japan auf die Kürze zusammenfassen. Nachdem ich mich erfolgreich in Osaka eingelebt hatte, durfte ich nun weitere Teile Japans bereisen und kennenlernen. So konnte mich ausnahmsweise verfrüht meine Familie besuchen und wir hatten das Vergnügen, gemeinsam Tokyo, Kyoto, Nara, Himeji zu erkunden. Mein herzlicher Dank gilt Herrn Okamoto für die tolle gemeinsame Planung der Reisen und die Gastfreundschaft!

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Während der vergangenen Wochen fielen mir insbesondere folgende zwei japanische Besonderheiten auf: (1) Der pünktliche und perfekt organisierte Bahnverkehr und (2) das hohe Maß an Sauberkeit in den Straßen. Meine Eindrücke der letzten Wochen möchte ich in diesem Bericht gerne anhand dieser zwei Themen erläutern.

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Organisation des Bahnverkehrs

Japan ist ein Land der Pünktlichkeit. Mit diesem Vorurteil kam ich nach Japan – und wurde nicht enttäuscht. Im Gegenteil, meine Reisen durchs Land mit dem Shinkanzen liefen so einfach, reibungslos und pünktlich ab wie ich es noch in keinem anderen Land erlebt habe. Ungläubig durfte ich jedes Mal aufs Neue erleben, wie die höflichen Zugfahrer mit weißen Handschuhen die Züge in die Bahnhöfe steuerten, exakt auf vorgesehener Höhe stehen blieben um anschließend auf die Sekunde genau weiterzufahren.

Meine Suche nach den Gründen dieser Perfektion ergab folgende zwei Vermutungen: (1) Japanische Bahnangestellte nehmen ihren Job deutlich ernster als in Deutschland und möchten unabhängig ihres Rangs vollen Einsatz leisten. (2) Dazu kommt ein gesteigertes Pünktlichkeitsempfinden, welches im Gegensatz zu Deutschland keine „akademische viertel Stunde“ duldet. Der Vollständigkeit und Ehrlichkeit zuliebe muss hier jedoch – zur Verteidigung der „Deutschen Bahn“ – auf die infrastrukturellen Unterschiede zwischen den Streckennetzen Deutschlands und Japans aufmerksam gemacht werden. Anders als bei deutschen ICEs, haben die Shinkanzen Schnellzüge ein eigenes Schienennetzwerk, welches häufig auf erhöhten Viadukten gebaut ist und dadurch äußerst selten Störungen ausgesetzt ist. Abgesehen von den schnellen Skinkanzen-Zügen, ist auch der Nahverkehr ein Wunder der Organisation. Um den Massen an Reisenden gerecht zu werden, gibt es in manchen Bahnhöfen Angestellte, die während Stoßzeiten die andrängenden Reisenden in die Züge drücken, eine japanisch pragmatische Lösung. Ein weiterer Unterschied zum deutschen Nahverkehr sind so genannte „Frauen-Waggons“, die Frauen bei unangenehmer Enge in Zügen vor möglichen Belästigungen als Schutz zur Verfügung stehen.

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☆☆ Erster Bericht von Luca Spring, fünfzehnter Stipendiat der Grünwald Stiftung ☆☆

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Nach 12 Stunden Flugzeit ist es soweit und unser Flugzeug nähert sich endlich dem beeindruckenden Osaka Kansai Flughafen, der 2007 auf einer künstlichen Insel fünf Kilometer vor Osakas Küste fertiggestellt wurde und mich gleich zu Beginn meines Japanaufenthalts zum Staunen bringt: Neben dem imposanten schwungvollen Terminalgebäude (von Renzo Piano) fällt mir schnell auf, wie ausgefeilt und effizient die Kundenabfertigungsprozesse gestaltet sind. Durch den Einsatz von Automaten ist die Durchlaufzeit bei Einreise- und Passkontrolle stark automatisiert und beschleunigt. Zur Freude der Passagiere – denn schon bald werde ich sehr herzlich durch Herr Okamoto in Empfang genommen. Seither darf ich als 15. Stipendiat der Grünwald-Stiftung Teil eines einzigartigen deutsch-japanischen Kulturaustauschs sein und vom 1. April bis 28. Juni 2018 die japanische Kultur, Sprache und Geschichte kennenlernen.

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Während der ersten Wochen wurde ich durch Herrn Okamoto neben ersten Grundlagen in japanischen Gepflogenheiten auch in zahlreiche japanische Gesellschaften und Vereine eingeführt, durfte sowohl Osaka als auch die bezaubernden Zengärten Kyotos erkunden, die prächtig blühenden Kirschbäume bewundern, neben eigenem Japanischunterricht auch Englischunterricht in einer Kinderbetreuung geben und hatte nicht zuletzt die Ehre, dem Bürgermeister von Suita Herrn Keiji Goto und dem deutschen Generalkonsul Herrn Dr. Köhler zu begegnen und eine Vielzahl an Japanern kennenzulernen.

Dieser Austausch erlaubte mir Einblicke in einige deutsch-japanische Gemeinsamkeiten, insbesondere den demografischen Wandel. Wie in Deutschland, steuert Japan aufgrund der sinkenden Geburtenraten (von zuletzt 1,3 Kindern pro Familie) immer weiter auf eine Seniorengesellschaft zu. Inwieweit Maßnahmen wie das Fördern von Berufstätigkeit von Frauen oder das Ersetzen von Arbeitskräften durch Roboter effektive Lösungen darstellen, steht derzeit in den Sternen. Neben der Überalterung der Gesellschaft gibt es weitere Fragestellungen, die in ähnlicher Form das politische Parkett Deutschlands beschäftigen und mir aus Europa bekannt vorkommen. So diskutierte ich mit Japanern Thematiken wie die hohe Staatsverschuldung (welche in Japan derzeit doppelt so hoch ist wie das BIP), alternative Antriebstechnologien in der Automobilindustrie (Konventionelle vs. elektrische vs. Wasserstoffverbrennungsmotoren), die zunehmende Urbanisierung und Landflucht, die Energieversorgung durch Atomkraft oder aber die Stellung der Frau in der Gesellschaft und Wirtschaft. Überrascht war ich zu erfahren, dass das das japanische Rechtssystem das Deutsche historisch in großen Teilen übernommen hat, was zu zahlreichen juristischen Gemeinsamkeiten heute führt.

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Trotz aller Gemeinsamkeiten begegnete ich gleichzeitig einer Reihe an Unterschieden und teils auch Kuriositäten. Zu meinen persönlichen Highlights der letzten Wochen zählt sicherlich das hervorragende japanische Essen, welches stets frisch, meist fettarm, gesund und äußerst schmackhaft ist. Sushi, Sashimi, Okonomiyaki, heiße Rahmen-Suppen oder aber das beeindruckenden 12-Gänge Menü während meiner Willkommensveranstaltung ließen mein Herz höherschlagen und ermutigten mich, den eigenen Supermarkteinkauf zukünftig in ein experimentierfreudiges Erlebnis zu verwandeln. Zu den Kuriositäten Japans zählt für mich das kunstvoll und einzeln eingepackte Obst (auch Erdbeeren sind einzeln verpackt), und die mit einer perfekten Form verbundenen hohen Preise, die eine Melone umgerechnet auch mal mehr als €100 kosten lassen. Abgesehen von kulinarischen Unterschieden empfinde ich auch hinsichtlich der Mentalität ein im Vergleich zu Deutschland beeindruckend hohes Maß an Herzlichkeit, Gastfreundschaft, Höflichkeit und Aufgeschlossenheit. An dieser Stelle möchte ich mich sehr herzlich bei Herrn Okamoto bedanken für die große Gastfreundschaft und seine persönliche Betreuung und Zeit, durch die mir ein rasches Einleben ermöglicht wurde und neue Fenster zur japanischen Kultur geöffnet wurden. Auch Frau Moriyama möchte ich danken für ihre Zeit und ihre fröhliche Unterstützung im Alltag.

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Mit großer Vorfreude und Neugier blicke ich auf die kommenden Monate in Japan und erhoffe mir weitere inspirierende Erlebnisse.
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☆☆ Abschlussbericht von Julian Maier, vierzehnter Stipendiat der Grünwald Stiftung ☆☆

Es ist kaum zu glauben, aber mein Aufenthalt in Japan ist nach nun ca. drei Monaten fast vorbei. Somit schreibe ich heute meinen letzten Bericht über meine Erlebnisse.

In den letzten Wochen besuchte mich meine Freundin in Japan und wir reisten gemeinsam ca. zehn Tage durch das Land. An einem schönen sonnigen Tag unternahmen wir einen Ausflug zur Burg Himeji. Die weißen Dächer und weißen Mauern verleihen der Burg ein wunderschönes Bild und machen sie meiner Meinung nach zu einer der schönsten Burgen Japans. Die Burg galt auch als Kulisse für zahlreiche Filme in den vergangenen Jahrzehnten. Allen, die sich die Burg Himeji anschauen, kann ich nur empfehlen, auch den benachbarten Koko-En zu besuchen. Der Garten ist sehr schön angelegt und in mehrere verschieden Themenbereiche gegliedert. Er liegt direkt am Burggraben und ist nicht zu übersehen.

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Unser Trip führte uns anschließend nach Hiroshima. Die Stadt, die spätestens seit dem 6. August 1945, nach dem ersten kriegerischen Atomwaffeneinsatz, weltberühmt wurde, beeindruckte mich vor allem mit dem Friedenspark. Der Park liegt nur ein paar hundert Meter entfernt vom Epizentrum der Bombenexplosion entfernt und soll mit seinen Denkmälern und dem Museum sowohl an die vielen tausend Menschen erinnern, die bei dem Angriff starben, als auch ein Mahnmal gegen den erneuten Abwurf einer Atombombe über einer Stadt darstellen. Eines der bekanntesten Opfer der Katastrophe war die 12-jährige Schülerin Sasaki, welche durch die freigewordene Strahlung an Leukämie erkrankte. In Japan gibt es eine Legende, nach der man von den Göttern einen Wunsch erfüllt bekommt, nachdem man 1.000 Kraniche gefaltet hat. Deshalb faltete die Schülerin bis zu ihrem Tod über 600 Kraniche, bevor sie an den Folgen ihrer Erkrankung verstarb und somit ihren Wunsch, weiterleben zu können, nicht erfüllt bekam. Auch heute noch falten viele Kinder und Besucher des Friedensparks ebenfalls Kraniche für Sasaki. Nicht weit entfernt von Hiroshima liegt die Insel Miyajima. Die Insel ist berühmt für das im Wasser stehende rote Torii vor dem Itsukushima-Schrein. Besonders schön sind die alten Häuser auf der Insel und am Ufer kann man wilde Rehe genau wie in Nara sehen, im Landesinneren hingegen Affen. Besonders zu empfehlen ist eine Seilbahnfahrt auf den Berg Misen, um dann nochmal ca. 45 min zum Gipfel zu wandern, von wo aus man einen einzigartig schönen Ausblick auf die Bucht von Hiroshima und die umliegenden Inseln genießen kann.

Hiroshima

Unsere Reise führte uns auch nach Tokio. Vom 634 Meter hohen Tokio Skytree hat man einen atemberaubenden Ausblick über die Megacity und kann bei gutem Wetter sogar am Horizont den Berg Fujisan sehen. Wenn man die ganzen Häuser unter einem sieht, ist es schwer zu glauben, dass in der Präfektur-Tokio zwischen 35-40 Millionen Einwohner leben. Die östlichen Gärten des Kaiserpalastes sind ein wahrer Ruhepol in der sonst so geschäftigen Stadt. Sie sind nur einen Steinwurf vom Hauptbahnhof von Tokio entfernt, der architektonisch eher an einen europäischen Bahnhof erinnert. Neben den sonstigen Highlights in Tokio, wie der Kreuzung in Shibuya oder dem Fischmarkt Tsukiji, gefiel mir besonders gut die aufgeschüttete Insel Odaiba, von wo aus man einen sehr schönen Blick auf die Skyline, auf den Minato-Bezirk und die Rainbow Bridge hat.

Tokio

An meinem vorletzten Wochenende wurde ich vom Rotact Club zu einem zweitägigen Ausflug zum Biwa-See eingeladen. Der Biwa See liegt nördlich von Kyoto und ist der größte See Japans. Am ersten Tag unternahmen wir eine Gondelfahrt auf den Berg Uchimi. Auf dem Berg gab es verschiedene Attraktionen. Im Sommer sind neben einem Hochseilgarten und einer Seilrutsche viele sportliche Aktivitäten geboten. Von Baseball, Basketball und Fußball bis zu Frisbee, Seilhüpfen oder Lasso werfen, es ist für jeden, Alt und Jung, etwas dabei. Im Winter kann man sogar Skifahren oder Rodeln. Am Abend wurde zusammen gekocht und japanische Gesellschaftsspiele gespielt. Am nächsten Tag fuhren wir gemeinsam zu einer Farm, die jedoch eher an einen Freizeitpark erinnerte. Zu meiner Verwunderung war es eine deutsche Farm mit dem Namen „Blumen Hügel“. Zum Essen gab es in den Restaurants konsequenterweise Würstel, Bratkartoffeln und ähnliches, zum Trinken hatte man die Möglichkeit, Bier aus Deutschland bestellen. Die Farm selber war sehr schön angelegt und nebst Blumen und Rosen gab es typische Tiere vom Bauernhof zu streicheln und zu füttern. Man konnte auch an verschiedenen Workshops teilnehmen. Alles in allem war der Wochenendausflug sehr gelungen!

An dieser Stelle möchte ich mich auch noch einmal bei Herrn und Frau Okamoto, dem Vorstand der Grünwaldstiftung, dem Rotary Club Grünwald und bei all meinen neuen Freunden in Japan von ganzem Herzen bedanken,  sie alle haben mir eine unvergessliche und wunderschöne Zeit in Japan ermöglicht! Ich habe in den drei Monaten hier viele Möglichkeiten gehabt, mich mit den Einheimischen zu unterhalten und anders als bei einem kurzen Urlaub in dem Land, auch wie ein Japaner zu leben. Durch meine Zeit habe ich viele neue Ansichten gewonnen und unzählige Impressionen und Erfahrungen gesammelt.

Vielen Dank!

☆☆ Dritter Bericht von Julian Maier, vierzehnter Stipendiat der Grünwald Stiftung ☆☆

In den letzten zwei Wochen unternahm ich mit Sakura, der Tochter von Frau Ikawa, und einer Freundin von Sakura eine Wanderung auf den Mount Rokko. Bei herrlichen 25°C und Sonnenschein hatten wir nach einem circa 2,5 stündigen Marsch den Gipfel erreicht und einen wunderschönen Ausblick auf die Osaka Bucht im Süd-Osten, sowie auf die bewaldeten Berge im Norden. Nach einer kurzen Pause ging es wieder bergab Richtung Arima Onsen. Arima Onsen ist einer der ältesten Onsen Japans und zieht jedes Jahr viele (auch japanische) Touristen. Die heißen Thermalquellen sollen eine heilende und wiederbelebende Wirkung auf den Körper haben. Dort angekommen erholten wir uns für eine Stunde in den heißen Thermalquellen, welche nach Männern und Frauen getrennt sind, bevor wir den Bus zurück nach Kobe nahmen. Frau Ikawa und ihr Mann luden uns noch zum Abendessen zu sich nach Hause ein, bei dem wir die Gelegenheit hatten, uns gut zu unterhalten. Zufälligerweise war an diesem Tag ein Umzug in Kobe, an dem viele junge Menschen aus der Stadt einen Wagen insgesamt vier Mal durch Kobe schoben und zogen. Der Umzug fängt immer früh morgens an und endet erst spät abends, das ganze Spektakel  ist begleitet von lauter Musik und Tänzen.

Kobe Mount

Aufgrund der mittlerweile hier herrschenden südländischen Temperaturen habe ich mich entschieden, einen Tag am Strand von Kobe zu verbringen. Nach meinem Ausstieg an der JR Haltestelle Suma konnte ich einen langen Sandstrand vor mir sehen. Im Sommer soll es hier voll von Sonnenanbetern sein, um diese Jahreszeit war der Strand allerdings noch recht leer. Ich war gegen elf Uhr dort und konnte die Besucher des Strandes an zwei Händen abzählen. Nach ca. 2 Stunden in der Sonne machte ich mich auf zum Suma Aqualife Park. Das Aquarium gibt es seit über 60 Jahren und beherbergt hunderte verschiedene Arten von Meeresbewohnern. Das Highlight neben der Delfinshow ist mit Sicherheit der Unterwassertunnel (der einzige in Japan), in welchem man durch ein Becken gehen kann, in dem Fische aus dem Amazonas schwimmen. Anschließend verbrachte ich den restlichen Tag am wunderschönen Hafen von Kobe.

Kobe Strand

Ich hatte das Glück und konnte am 15. Mai am Aoi Matsuri teilnehmen. Das Aoi Matsuri ist das älteste Fest in Kyoto und hat seine Ursprünge im 6. Jahrhundert, als mehrere Naturkatastrophen die Ernte vernichteten. Um die Götter zu besänftigen ordnete der Kaiser Zeremonien und Riten an verschiedenen Schreinen in Kyoto an. Die Zeremonien wurden über den Lauf der Jahre zum Aoi Matsuri. An dem Fest nehmen mehrere hundert Menschen teil. Der Start des Umzuges ist am Kaiserpalast und führt vorbei am Shimogamo Schrein bis zum Kamigamo Schrein, wo jeweils eine Zeremonie abgehalten wird. An diesem Tag ist es auf den Straßen von Kyoto sehr voll, weshalb sich viele Japaner das Fest im Fernsehen anschauen.

Aoi Festival

An einem anderen Tag sah ich mir den goldenen Tempel „Kinkaku-ji“ an. Er gehört sicherlich zu den Sightseeing Hotspots von Kyoto. Dicht gedrängt versuchen alle Besucher der Tempelanlage den vergoldeten dreistöckigen Pavillon zu fotografieren. Ursprünglich war nur das oberste Geschoss vergoldet, aber nachdem der Tempel 1950 niedergebrannt wurde, wurde er 5 Jahre später wieder aufgebaut und die beiden oberen Stockwerken vergoldet. Wenn man den Hügel auf der Tempelanlage hinaufgeht, kommt man zu einem kleinen Haus, in dem man an einer Teezeremonie teilnehmen kann. Obwohl viele Besucher in der Tempelanlage sind, ist es im Garten des kleinen Hauses sehr ruhig und die Atmosphäre ist sehr angenehm. Nach dem Besuch des Kinkaku-ji ging ich zu Fuß weiter zum Ryoan-ji. Berühmt ist der Zen-Tempel vor allem für seinen Steingarten. Dort liegen 15 Felsblöcke auf einem Beet von Kieselsteinen. Man kann jedoch höchstens 14 Steine sehen, egal aus welchem Blickwinkel man die Gesteinsbrocken betrachtet. Auf dem Gelände gibt es auch ein Restaurant, wo man das für Kyoto typische Gericht „Yudofu“ mit Blick auf einen wunderschönen japanischen Garten essen kann.

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So schnell sind schon wieder ein paar Wochen vergangen mit aufregenden neuen Erlebnissen. Ich bin gespannt, welche neuen Eindrücke ich in den nächsten Wochen gewinnen werde!

☆☆ Abschlussbericht von Anjuli Franz, dreizehnte Stipendiatin der Grünwald Stiftung ☆☆

Meine drei Monate in Japan waren für mich eine wunderschöne und sehr lehrreiche Zeit. Die über Jahrtausende mit nur wenig äußerem Einfluss erhaltene Kultur bietet unglaublich spannende Einblicke in Geschichte und Traditionen. Besonders hervorzuheben ist dabei die Umgangsweise der Japaner untereinander und mit Fremden, die stets von Höflichkeit und Respekt geprägt ist. Das hat stark dazu beigetragen, dass ich mich während meiner Zeit hier ausnahmslos immer wohl gefühlt habe. Selbst wenn die in allen Situationen entgegengebrachte Freundlichkeit nicht immer von Herzen, sondern anerzogen ist, ermöglicht sie einen sehr entspannten Umgang miteinander. Davon könnten wir uns in Deutschland eine Scheibe abschneiden.

Ich hatte große Lust, das Land noch weiter zu erkunden. Großzügigerweise bot mir Herr Okamoto noch zwei Wochen Asyl in seinem Gästezimmer, sodass ich zum Ende meines Aufenthalts noch drei tolle Reisen in unterschiedliche Ecken Japans unternehmen konnte.

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Als Wald- und Naturfan war ein Besuch der Insel Yakushima genau das richtige für mich. Zusammen mit einem chinesischen Freund besuchte ich die älteste japanische Zeder, erkundete die wilden Wälder zu Fuß und per Kayak und entspannte in einem tollen natürlichen Onsen direkt am Meer. Der bekannte Regisseur Hayao Miyazaki hat sich bei der Gestaltung des Animes “Prinzessin Mononoke” angeblich von der Natur Yakushimas inspirieren lassen.

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In der Nähe von Kumamoto hatte ich das Glück, bei den Eltern einer japanischen Freundin übernachten zu dürfen, und erlebte einen Tag auf dem südjapanischen Land. Es ist für mich immer wieder ein Erlebnis, ein japanisches Haus von innen zu sehen, insbesondere wenn dieses mit traditionellen Tatamimatten und Shoji-Schiebetüren ausgestattet ist. Auch daran, auf einem dünnen Futon zu schlafen, habe ich mich schnell gewöhnt.

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Im Norden konnte ich ein ganz anderes Japan kennen lernen. Hokkaido bietet weite Landschaften, die Leute sind (wie im deutschen Norden) etwas ruhiger und zurückhaltender. Nur mit dem japanischen Frühstück bin ich noch nicht ganz warm geworden…

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In Sapporo übernachtete ich bei der Gastfamilie eines Bekannten. Gemeinsam aßen wir den frischesten Fisch und Meeresfrüchte. Meine meisten Kontakte außerhalb der Grünwaldstiftung waren entweder japanisch oder stammten aus anderen asiatischen Ländern. Es war sehr interessant, über die Unterschiede in den asiatischen Kulturen und ihre Beziehungen zueinander zu lernen.

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Gerade verbringe ich meine letzten Tage auf den Yaeyama-Inseln in der Nähe von Taiwan. Besonders Iriomote mit ihrem Dschungel, Mangroven und toller Unterwasserwelt hat mir sehr gut gefallen. Auf allen Reisen wurde mir eine große Freundlichkeit und Interesse an meiner Kultur entgegengebracht, ob von den Besitzern meiner Unterkünfte oder anderen Reisenden. Es war nicht immer leicht, diese hauptsächlich auf Japanisch stattfindenden Unterhaltungen zu führen, aber jedes einzelne Mal hat zu meinem Verständnis der japanischen Lebensart beigetragen. Für diese Erlebnisse der letzten dreieinhalb Monate bin ich über alle Maße dankbar. Ich weiß noch genau, wie sehr ich mich gefreut hatte, als ich vom Rotaryclub Grünwald die Zusage für das Stipendium erhalten habe. Meine Erwartungen wurden bei weitem übertroffen. Danke für die Auswahl und das Vertrauen in eine Rheinhessin!

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Von ganzem Herzen möchte ich mich bei Familie Okamoto bedanken. Herr Okamoto investiert viel Energie und Zeit in seine Stipendiaten und steht ihnen in allen Lebenslagen zur Seite. Nur durch dieses Engagement ist es möglich, Japan so intensiv und unbeschwert kennen zu lernen. Es war für mich eine wunderbare Zeit, aus der ich mit vielen neuen Eindrücken, Meinungen und Erkenntnissen herausgehe.

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☆☆ Zweiter Bericht von Julian Maier, vierzehnter Stipendiat der Grünwald Stiftung ☆☆

Kaum zu glauben, aber die Zeit in Japan vergeht rasend schnell. Mittlerweile bin ich schon einen Monat hier und habe doch erst einen Bruchteil der Kansai Region erkunden können. Ich glaube, dass man allein einen Monat brauchen würde, um in Kyoto alle Tempel und Schreine zu sehen. In den letzten Tagen und Wochen besichtigte ich in Kyoto den Kaiserpalast, der lange Zeit als Sitz der kaiserlichen Familie diente. Heutzutage residiert die Kaiserfamilie in Tokio und der Palast in Kyoto ist für die Öffentlichkeit zugänglich. Ursprünglich standen auf dem Gelände des Kaiserpalastes wesentlich mehr Gebäude. Die „unwichtigen“ Gebäude wurden jedoch abgebaut, damit im Falle, dass ein Feuer ausbricht, die bedeutenden Gebäude nicht zerstört werden. In einer Führung durch den Kaiserpalast erfuhr ich noch allerlei interessante Informationen zum Kaiserpalast. Zum Beispiel ist das Ende der Holzbalken mit einer weißen Farbe, welche aus Muscheln hergestellt wird, angestrichen, damit die Balken nicht so schnell verschleißen. Der Palast ist zudem erdbebensicher gebaut, ohne ein Fundament oder ähnliches, und schwingt auf diese Weise im Falle eines Erdbebens einfach mit. Auch interessant ist, dass die Mauer um den Kaiserpalast im Nordosten eine L-förmige Einbuchtung besitzt. Oft werden Oni (Dämonen) mit dem Nordosten assoziiert, weshalb japanische Gebäude L-förmige Einbuchtungen im Nordosten besitzen oder Tempel im Nordosten errichtet werden, welche die Gebäude vor den Oni beschützen sollen.

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An einem anderen Tag besichtigte ich Kobe, eine Stadt die westlich von Osaka an der Osaka Bucht liegt. Von Osaka aus fährt man mit dem Zug in ca. 30 min in das 35 km entfernte Kobe. Dort führte mich Frau Ikawa, eine Freundin von Herrn Okamoto, persönlich durch die Stadt. Kobe ist eine der größten Hafenstädte Japans und Warenumschlagplatz für viele ausländische Güter. Hier findet man eine vielfältige Küche, unter anderem auch Bäckereien mit deutschem Brot. Aufgrund der Lage von Kobe (im Norden das Rokko Gebirge und im Süden das Meer) wurden die künstlichen Inseln Rokko Island, Port Island und der Kobe Flughafen vor der Stadt aufgeschüttet, um in der Stadt selbst genügend Wohnraum zu haben. Im Norden der Stadt hatten sich viele Ausländer angesiedelt. Dort befinden sich viele schöne Villen im europäischen Stil, diese sind heute für die Öffentlichkeit zugänglich. Persönlich gefällt mir Kobe sehr gut, auch weil es ein wenig ruhiger auf den Straßen ist.

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Nara war das nächste Ziel meiner Reise. Berühmt für die vielen alten und gut erhaltenen Tempel hatte ich jedoch das Gefühl, dass die in der Stadt frei herumlaufenden Rehe den Tempeln die Show stehlen. Nara ist genau wie Kyoto ein beliebtes Ausflugsziel für Schulklassen. Als ich in Nara ankam, war die Stadt voller Touristen und schätzungsweise acht- bis zehnjährigen Schulkindern, die natürlich alle gerne die Rehe streicheln und füttern wollten. Zum Füttern kann man extra am Straßenrand überall Kekse für umgerechnet 1€ kaufen. Der Tempel Todai-ji ist das größte aus Holz gebaute Gebäude der Welt und beherbergt eine riesige Buddha Statue aus Bronze. Der Kasuga-Taisha Schrein liegt auf der anderen Seite des Nara Parks und bezaubert vor allem durch seine vielen Laternen, die den Weg zum Schrein säumen. Des Öfteren stehen oder liegen Rehe zwischen den moosbewachsenen Laternen, ein wirklich zauberhafter Anblick!

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Neben meinen Reisen in die verschiedenen Städte durfte ich Herr Okamoto bei einem Ausflug des Rotary Clubs nach Amanohashidate, zur „Himmelsbrücke“, begleiten. Früh morgens startete der Bus in Richtung des im Norden der Präfektur Kyoto gelegenen Ortes. Zuerst legten wir einen Stopp in einem alten Fischerdorf ein, in dem wir die alten Fischerhäuser bestaunen konnten, bevor wir eine kleine Bootstour machten. Die Bootstour ist bekannt dafür, dass man Möwen füttern kann, aber wir hatten sogar das Glück, dass Adler angelockt wurden und uns das Futter aus den Händen pickten. Zu Mittag aßen wir auf einem kleinen Hügel hervorragendes Sashimi und manch einer ging noch in das Onsen des Restaurants, bevor wir weiter Richtung Amanohashidate fuhren. Das Wetter hätte besser nicht sein können, deshalb hatten wir einen hervorragenden Blick auf die „Himmelsbrücke“ vom Kasamatsu-Park aus. Die Himmelsbrücke ist in Wirklichkeit ein ca. 3,6 km langer, natürlich entstandener weißer Sandstrand, der mit Kiefern bewachsen ist. Um die Himmelsbrücke zu sehen, muss man sich mit dem Rücken zu ihr aufstellen und durch die Beine schauen, sodass die Welt auf dem Kopf steht, nur so bekommt das Auge die Illusion einer Brücke, die über den Himmel führt, vorgespielt. Diese Küstenlandschaft gilt als eine der drei schönsten Küstenregionen Japans, und wer bereits dort war, kann das bestimmt bestätigen.

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☆☆ Erster Bericht von Julian Maier, vierzehnter Stipendiat der Grünwald Stiftung ☆☆

Am 30.03.2017 war es endlich soweit und ich durfte meine ersten Schritte auf japanischem Boden machen. Seit nun ca. zwei Wochen lebe ich in Suita, etwa zehn Minuten mit dem Zug von der Osaka City Station entfernt, als 14. Stipendiat in der nördlichen Präfektur von Osaka. Jedes Jahr erhalten zwei junge Menschen im Alter von 18-25 Jahren die Chance, Japan – das Land, die Kultur und die Sprache – für drei Monate hautnah von Herrn Okamoto gezeigt zu bekommen. Besonders hervorzuheben ist, mit welcher Hingabe und Leidenschaft sich Herr Okamoto um jeden einzelnen Stipendiaten kümmert, in dem Wunsch, ihm ausführlich und genau Japan näherzubringen.

In meinem zweiwöchigen Aufenthalt in Japan bekam ich bisher die Möglichkeit, allerlei typische kulinarische Köstlichkeiten zu probieren. Anders als in Deutschland sind die Portionen in Japan wesentlich kleiner und man isst oft verschiedene kleine Gerichte im Laufe des Abends, ähnlich wie bei spanischen Tapas.

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Zum Ende meiner ersten zwei Wochen organisierten Herr und Frau Okamoto für mich eine wunderbare Willkommensparty, an welcher Herr Takahiro Shinyo, ehemaliger japanischer Botschafter in Berlin, und Freunde von Herrn Okamoto eingeladen waren. Bei einem leckeren Kayseki-Menü und interessanten Gesprächen verbrachten wir einen tollen Abend im Restaurant Syunsai Yamasaki. Bei meinem Treffen mit dem Bürgermeister Keiji Goto von Suita hatte ich die Möglichkeit, bei einem 30-minütigen Gespräch mehr über die aktuelle Lage und Zukunft von Suita zu erfahren.

An einem anderen Abend bekam ich die Chance, einem Treffen des Rotact Club beizuwohnen und konnte mit vielen jungen Japanern Kontakte knüpfen. Hier zeigte sich einmal mehr die japanische Freundlichkeit, jeden Fremden als ihren Freund aufzunehmen, denn prompt luden sie mich unteranderem zum BBQ und anderen Veranstaltungen ein.

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Neben diesen von Herrn Okamoto organisierten Highlights blieb mir auch noch etwas Zeit, die Stadt Osaka, aber auch Kyoto näher kennenzulernen und auf eigene Faust zu erkunden. Besonders ist mir auf meinen Touren als „Alleinreisender“ aufgefallen, wie offen und freundlich die Japaner sind. Oft werde ich beim fotografieren von Passanten gefragt, ob sie ein Foto von mir machen sollen. Auch wird man immer wieder auf der Straße in Gespräche verwickelt, da die Japaner wissen wollen, wo man herkommt und wie einem Japan gefällt. Wenn man eine Frage hat oder ein Gebäude/ Geschäft sucht, führen einen die Ortskundigen dorthin. Im Restaurant wird darauf geachtet, dass man immer mit Getränken versorgt ist, jemanden zum Sprechen hat und nie alleine ist. Diese Gastfreundlichkeit habe ich bis jetzt noch nie erlebt, eine bemerkenswert schöne Eigenschaft der Einheimischen!

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Ab und an nimmt mich Herr Okamoto auch zu geschäftlichen Terminen mit. Unter Anderem war ich bei der Firma Mitsuboshi Belting. Dort führten Herr Okamoto mit Frau Kuno und Herrn Sumiya ein Interview mit zwei Mitsuboshi Belting Mitarbeitern, welches in der Zeitung der Japanisch-Deutschen Gesellschaft veröffentlicht wird. Besonders anerkennenswert finde ich, wie sehr sich diese Firma sozial engagiert. Die Firma mit Sitz in Kobe hat seit dem schweren Erdbeben vor 22 Jahren eingeführt, dass jedes Jahr routinemäßig Notfallübungen absolviert werden. Anders als in Deutschland werden in diesen Übungen allerdings nicht nur die Evakuierung der Mitarbeiter aus dem Firmengebäude geübt, sondern auch wie man Brände löscht, Verletzte abtransportiert, den Menschen in der Umgebung helfen kann und wie man diese im Notfall mit Essen versorgt. Zu dieser Übung sind auch alle Anwohner aus der Umgebung immer herzlich eingeladen. Neben den Notfallübungen bei Gefahren durch Brand und Erdbeben wird seit Neuestem auch das richtige Verhalten bei einemTsunami geprobt.

Für den Fall eines Unglücks hat die Firma extra ein kleines Feuerwehrauto gekauft, Helme und Kleidung für die Mitarbeiter und Menschen aus der Umgebung, sowie einen externen Wassertank unter dem Firmengelände installiert. Dieses beispielhafte soziale Engagement wissen die Menschen in der Umgebung wohl zu schätzen, denn die Firma ist über die Maßen beliebt und angesehen.

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Ich freue mich schon sehr auf die nächsten Wochen und alle neuen Erfahrungen, die ich sammeln werde. Auch möchte ich mich an dieser Stelle noch einmal bei Herrn Okamoto und seiner Frau bedanken, die mich so herzlich aufgenommen haben und sich die Zeit nehmen, mir Japan näher zu bringen!