☆☆☆Erster Bericht von Emanuel Holthaus 26ster Stipendiat der GRÜNWALD STIFTUNG☆☆☆
Ankunft und erste Eindrücke
Als mein Flugzeug langsam durch die dichte Wolkendecke sank, konnte man plötzlich kaum noch etwas sehen. Minutenlang waren nur graue Wolken um uns herum. Erst kurz vor der Landung tauchte unter uns langsam der Boden auf.
In diesem Moment wurde mir bewusst: Jetzt beginnt mein Aufenthalt in Japan wirklich.
Ich war sehr aufgeregt und neugierig zugleich. Alle möglichen Fragen schwirrten mir durch den Kopf. Wie wird mein Alltag aussehen? Was für Menschen werde ich treffen?
Was erwartet mich? Dennoch wusste ich eins. Ich freue mich auf das Abenteuer und das Essen!
Als ich letztendlich nach einem ganzen Tag Flug das erste Mal in Japan, Osaka ankam, wurde ich herzlich von Herrn Okamoto empfangen, der mich während den ersten zwei Wochen viel unterstützt und mir geholfen hat einzufinden.
Ich durfte Ihn zu verschiedenen Terminen begleiten, er hat mir gezeigt wo ich wohne, wo die nächste Zuganbindung ist und wo der nächste Supermarkt ist.
Ich wurde zudem von Herr Okamoto mit vielen Spezialitäten der Japanischen Küche verwöhnt, die ich vorher noch nie probiert hatte. Okonomiyaki, Hiroshimayaki, Ramen, Udon und Shushi.
Da ich sehr gerne esse und gutes Essen schätze, probiere ich auch gerne Neues aus, deshalb war es für mich besonders spannend. Dazu gehörten zum Beispiel auch Seegurke, Seeigel oder Aal.
Außerdem war ich das erste mal Kaiseki an der für mich organisierten Willkommensfeier essen.

Kaiseki ist eine traditionelle Form der japanischen Hochküche und besteht aus mehreren kleinen Gängen, die nacheinander serviert werden. Besonders wichtig sind saisonale Zutaten, eine harmonische Kombination von Geschmack und Farben sowie eine kunstvolle Präsentation der Speisen. Auch das Geschirr wird passend zur Jahreszeit ausgewählt.
Kaiseki entstand aus der japanischen Teezeremonie und wurde später besonders in gehobenen Kreisen gepflegt. Deshalb spielt auch das Verhalten am Tisch eine wichtige Rolle. Die Atmosphäre ist ruhig und respektvoll, und die Gäste unterhalten sich entspannt miteinander, oft über die Zutaten, die Saison oder die Präsentation der Gerichte. Gerade in gehobenen Kreisen galt ein Kaiseki-Essen früher auch als soziales und kulturelles Ereignis, bei dem Beziehungen gepflegt und gemeinsame Gespräche geführt wurden.
In meinem Fall habe ich mich überraschenderweise sehr viel über Deutschland unterhalten. Besonders mit Dr. Professor Shinyo, ehmaliger Japnischer Bootschafter in Berlin, kamen immer wieder Gespräche über deutsche Kultur und Geschichte auf. Dabei sprachen wir zum Beispiel über Thomas Mann sowie über Wolfgang Amadeus Mozart. Offiziell starb Mozart zwar an Fieber, aber die eigentliche Ursache könnte eine Lebensmittelvergiftung gewesen sein, etwa durch ein nicht vollständig durchgegartes Wiener Schnitzel.

Auch in der Japanisch-Deutsche-Gesellschaft traf ich viele Menschen, die eine Verbindung zu Deutschland haben. Fast alle haben dort gelebt, studiert oder gearbeitet. Dadurch entstanden immer wieder Gespräche über Deutschland. Besonders auffällig war dabei, wie gut viele geographisch über das Land Bescheid wussten. Viele kannten Städte und Regionen sehr genau – und fast alle waren bereits an mehr Orten in Deutschland gereist als ich selbst.

Im deutschen Generalkonsulat, welches im 35ten Stock liegt wurde ich, als wir ankamen, erstmal von dem unfassbaren Ausblick über die Stadt beeindruckt. Dort wurden wir herzlich von Frau Saxinger begrüßt und sprachen über ihr Weg ins Konsulat in Osaka. Außerdem ging es auch um aktuelle politische Entwicklungen und die Rolle der Frau in Führungspositionen in Japan, insbesondere, dass mit Sanae Takaichi erstmals eine konservative Frau zur Premierministerin gewählt wurde.
In vielen Gesprächen wurde sehr positiv über Deutschland gesprochen. Besonders häufig wurden der gute Straßenausbau, die bekannten deutschen Autos, die schöne Natur sowie berühmte Musiker erwähnt.

Als ich jedoch mit dem Bürgermeister von Suita ins Gespräch kam, ging es plötzlich um ganz andere Themen aus dem Alltag in Japan. Ich war überrascht zu hören, dass er für sein Essen fünf verschiedene Salzsorten verwendet. Auch das Thema Baden kam auf: In Japan ist es üblich, regelmäßig zu baden, und manche Menschen – besonders Mädchen und Frauen – tun dies sogar zweimal täglich.
Interessant fand ich vor allem, dass Kinder in Japan schon früh lernen, Verantwortung für ihre Umgebung zu übernehmen. In vielen Schulen gehört es zum Alltag, dass Schülerinnen und Schüler ihre Klassenräume selbst aufräumen und gemeinsam sauber halten. Diese Haltung scheint sich auch im öffentlichen Raum widerzuspiegeln, denn viele Orte wirken sehr sauber und ordentlich.
Auch das Ausziehen der Schuhe im Eingangsbereich trägt dazu bei, die Innenräume sauber zu halten und eine gewisse Ordnung zu bewahren.
Ordnung im Alltag
Nicht nur die Ordnung sondern auch Disziplin und gegenseitiger Respekt spiegelt sich in der Japnischen Kultur und im Alltag wider.
In der ersten Woche habe ich das Nakanoshima Museum of Art besucht. Besonders aufgefallen ist mir dort die ruhige Atmosphäre.
Viele Besucher lesen die Ausstellungstexte sehr aufmerksam und gehen systematisch von einer Station zur nächsten. Bei größeren Tafeln bildeten sich sogar automatisch zwei Reihen, damit alle lesen konnten. Dabei wurde sehr darauf geachtet, Rücksicht aufeinander zu nehmen. Insgesamt war es sehr ruhig.

Besonders beeindruckt hat mich auch das öffentliche Verkehrssystem. Die Bahnhöfe sind sehr gut organisiert und meist klar ausgeschildert. Am Anfang war es trotzdem manchmal schwierig, sich schnell zurechtzufinden, wenn vieles auf Japanisch geschrieben ist.
Auffällig ist vor allem die Ordnung an den Bahnsteigen. Selbst wenn viele Menschen unterwegs sind, stellen sich die Fahrgäste in Reihen auf. Dadurch wirkt alles sehr strukturiert.
Auch in den Zügen selbst ist die Atmosphäre anders als in Deutschland. Es ist meist sehr ruhig, viele Menschen lesen oder schauen auf ihr Smartphone.
Supermärkte
Während meines Aufenthalts ist mir schnell aufgefallen, wie allgegenwärtig die kleinen 24/7 Convenience Stores sind. Ketten wie 7-Eleven, Lawson und FamilyMart findet man hier fast an jeder Straßenecke. Am Anfang hat mich das ziemlich überrascht, denn diese Dichte an kleinen Läden kennt man aus Deutschland kaum. Das Konzept stammt ursprünglich aus den USA, wurde in Japan aber stark weiterentwickelt und ist heute ein ganz selbstverständlicher Teil des Alltags.

Die Geschäfte sind zwar nicht besonders groß, bieten aber trotzdem ein erstaunlich breites Sortiment – von Getränken und Snacks bis hin zu vielen Dingen des täglichen Bedarfs. Besonders auffällig ist dabei die große Auswahl an fertigem Essen. Viele Menschen holen sich dort schnell etwas für unterwegs oder für zu Hause.
Auch in normalen Supermärkten habe ich etwas Ähnliches bemerkt. Dort gibt es ebenfalls viele bereits fertig zubereitete Gerichte. Die Auswahl reicht von klassischen Onigiri, Sushi und Reisgerichten mit Gemüse oder Hähnchen bis hin zu Nudeln mit Tomatensauce oder vielen verschieden Backwaren.
Das Mädchenfest in Japan
Während den ersten Tagen meines Aufenthalts fand auch das japanische Mädchenfest statt, das am 3. März gefeiert wird und Hinamatsuri heißt. An diesem Tag feiern Familien besonders ihre Töchter und wünschen ihnen Gesundheit und eine gute Zukunft.

Typisch für dieses Fest sind sogenannte Hina-Puppen. Diese stehen auf einem mehrstufigen Podest mit rotem Stoff und stellen den kaiserlichen Hof aus der Heian-Zeit dar, zum Beispiel den Kaiser, die Kaiserin und verschiedene Hofdamen.
Nicht nur für Herrn Okamotos und Frau Okamotos herzliche und willkommene Art, sondern auch für sein Engagement, den Japanischunterricht und für das vorzügliche Essen möchte ich mich von ganzem Herzen bedanken und freue mich auf die nächsten zwei Wochen.