☆☆☆Vierter Bericht von Christoph Jetter, sechszehnter Stipendiat der Grünwald Stiftung☆☆☆

Tuesday, der 4. December 2018 | Autor: dzgo | Kategorie(n): Blog

Ähnlich wie in Deutschland, scheint Bier eines der beliebtesten Getränke der Japaner zu sein. Da ich aus meinem Fenster direkt auf eine der Brauereien von Asahi schaue, dem größten Bierproduzenten Japans, beschloss ich eine Führung zu machen. Japan ist ein Land mit hohen
Ansprüchen, weshalb Asahi extra Experten aus Deutschland eingeflogen hat um die Möglichkeiten, sowie die Qualität der Zutaten zu überprüfen. Ähnlich wie in vielen alltäglichen Aspekten, sind die Anlagen von Asahi durch Effizienz, Sauberkeit und modernster Technologie geprägt. Begleitet wurde ich von Chinami, mit der ich anschließend noch leckeres Sushi essen ging, sowie viele Stunden im Expo Park aus 1970 verbrachte. Die Anlage des Parks ist riesig, großartig erhalten und besonders der Japanische Garten dort ist sehenswert.

In Kooperation mit dem Goethe Institut Osaka Verbrachte ich einen Tag als Schauspieler für die jährlich erscheinenden Werbevideos. Während des Drehtages konnte ich viele neue Leutekennen lernen und Freundschaften knüpfen. Außerdem wurde mir klar, dass Fremdsprachen lernen in Japan nicht selbstverständlich ist und es viel politisches und unternehmerisches Engagement benötigt um die Vorteile von Sprachen zu verdeutlichen. Zusätzlich konnte ich viel über die Arbeitswelt in Japan lernen und den damit verbundenen Urlaubsansprüchen. Diese vorherrschenden Strukturen haben spürbare Auswirkungen auf das Reise Verhalten der Japaner sowie deren Einstellung gegenüber anderen Nationalitäten.

Wenn man sich bei den Einheimischen umhört, so wird der Herbst von den meisten als die schönste Jahreszeit hervorgehoben, noch vor der Kirschblüte. Um mich davon selbst zu überzeugen habe ich mich an drei aufeinanderfolgenden Tagen nach Kyoto begeben um dort in den unzähligen Gärten die verfärbten Blätter anzuschauen. Auch wenn noch nicht alle Blätter soweit sind, ist es wirklich beeindruckend, welche Farbenpracht hier in Japan entsteht. Tatsächlich verfärben sich die Blätter ganz anders als in Deutschland, was zum einen an den anderen Temperaturen liegt, aber auch an den lokalen Baumarten. Am schönsten leuchtet der rote Ahorn im Sonnenlicht. Besonders gut hat mir während dieser Tage Daiho-ji, Kodai-ji, der Kaiserpalast, Heian-Schrein und der silberne Tempel gefallen. Deutlich spürbar ist auch die
erhöhte Anzahl an Touristen in den Städten, welche sich dieses Ereignis nicht entgehen lassen möchten. Viele Japaner empfinden dies als störend, da einige Sehenswürdigkeiten nur mit Einlasskontrolle und Voranmeldung eine Besichtigung ermöglichen, wodurch speziell die
einheimischen einen Nachteil haben. Mir ist auch aufgefallen, dass im Herbst besonders viele Japaner ihre Traditionen ausleben und zu gemeinsamen Abenden einladen.


Ein besonderes Erlebnis für mich war die Einladung von Herr Okamoto und seiner Frau zu einem Abendessen mit dem aktuellen Generalkonsul Dr. Köhler und Herr Shinyo, einem ehemaligen Botschafter, welche in Begleitung Ihrer Frauen waren. An diesem Abend konnte ich viel über die politische Lage in Japan, die Bedeutung Deutschlands für Europa und die Weltwirtschaft, sowie über Zukunftsthemen lernen. Zudem freute ich mich über das Interesse der Gäste an meinem Lebensweg, meinen Ziele und spannenden Anregungen zu meinem kommenden Berufseinstieg. Im Anschluss an das mehrgängige Abendessen gab es eine traditionelle Teezeremonie, bei welcher ich viel über die japanische Kultur erfahren konnte sowie einzelne Verhaltensweisen reflektieren und im Alltag wiederfinden konnte. Auch die Tee-Zeremonie ansich, bei der abwechselnd sehr süße Snacks gegessen werden und anschließend der bittere Matcha Tee getrunken wird, bestätigten mir meine Meinung über Japan als Land der Gegensätze.

Zusammen mit Frau Wada, Alexander und Ulrich unternahm ich einen Tagesausflug in das geschichtsträchtige Bergdorf Koyasan. Gemeinsam erkundeten wir die beeindruckenden Friedhöfe, Tempel und Museen. Besonders interessant waren die „Firmengräber“ wo Angestellte entsprechend der Firmenzugehörigkeit beerdigt wurden. Dies geht auf die Loyalität der Japaner zurück, da es nicht unüblich ist, sein ganzes Leben im selben Unternehmen zu verbringen. Frau Wada als Reisebegleitung gab uns viel Hintergrundinformation und ermöglichte somit einen lehrreichen Tagesausflug. Am darauffolgenden Tag bekam ich die Möglichkeit mit einer Gruppe von sieben Japanern Mount Rokko, nahe Kobe, zu besteigen. Während des mehrstündigen Aufstiegs konnte ich interessante Einblicke in das Japanische leben bekommen und mich überspannende Themen austauschen. Besonders interessant fand ich, dass bei traditionellen Hochzeiten jeder Gast einen „Eintritt“ zahlt um so die kosten der Hochzeit zu unterstützen. Im Anschluss an die Wanderung besuchten wir die nahegelegene Onsen Stadt Arima, welche zu den ältesten, natürlichen heißen Quellen Japans gehört. Onsen ist ein traditioneller und bedeutender Aspekt der japanischen Kultur, da es zum einen die Verbindung zur Entstehungsgeschichte der japanischen Landmasse darstellt und zum anderen die japanische Kultur seit Jahrzehnten
prägt. Der Tagesausflug wurde durch ein hervorragendes Abendessen bei Frau Ikawa in Kobe beendet. Wir waren eine großartige Gruppe, hatten unglaublich viel Spaß und haben den Tag intensiv genutzt um viel über die jeweils andere Kultur zu erfahren.

Im Rahmen der Kooperation mit der Universität in Kyoto konnte ich am Sonntag nochmal an einer traditionellen Tee-Zeremonie teilnehmen. Der streng vorgegebene Ablauf bedarf Jahre des Trainings und viel Disziplin. Seit mehreren Jahrzehnten lehrt und praktiziert die Mutter von Professor Aoji dieses Ritual, weshalb Sie jeden Schritt fehlerfrei beherrscht. Anders als bei Herr Okamoto zuhause saßen wir im traditionellen „Seiza“, was für mich als Europäer durchaus schmerzhaft war. Trotzdem war es erneut ein tolles Erlebnis an diesem besonderen
Event teilnehmen zu dürfen und die japanische Kultur hautnah mit zu erleben. Das Ritual zeigt erneut die Genauigkeit, Disziplin und Integration von Traditionen in den Alltag. Anschließend genossen wir in einer netten Runde ein hervorragendes Abendessen mit vielen typisch
japanischen Speisen. Ich schätze es sehr, so nah am japanischen Alltag dabei sein zu können um möglichst viele Einflüsse und Eindrücke aus erster Hand zu erfahren. Grundsätzlich empfinde ich Japaner als sehr gastfreundlich und mit einem ausgeprägtem Interesse andere Nationen an ihrer Kultur teil haben zu lassen.



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